Mittwoch, 31. Januar 2018
Amerikanische Gefängnisse, Victoria's Secret und was das mit uns zu tun hat
Wenn ihr nicht zufällig Fans von "Orange is the new Black" seid, dann geht es euch vielleicht wie mir und ihr habt euch selten gefragt, was in Gefängnissen auf der anderen Seite der Welt so vor sich geht. Es ist ja auch so weit weg ...
Tatsächlich ist das Gefängnissystem ein heiß diskutiertes Thema in Amerika. Was ich hier in diesem Post berichte, ist nichts Neues, aber in Deutschland sind die Informationen vielleicht noch nicht so verbreitet, deswegen auch der Post. Ich möchte für eine größere "Sichtbarkeit" des Problems sorgen, das irgendwie auch unser Problem ist ...
Aber zunächst muss ich ein bisschen ausholen und euch mit "Geschichtsfakten langweilen", damit ihr die Ausmaße der ganzen Sache versteht. Sehr vereinfacht gesagt hat die Masseneinkerkerung in den USA (mass incarceration) ihren Ursprung in der Sklaverei.
Nachdem diese abgeschafft wurde, gab es 1. eine Masse an ehemaligen Sklaven (und man wusste nicht wohin mit ihnen) und 2. keine freie Arbeit mehr ("frei" hier im Sinne von kostenlos für die Arbeitgeber bzw. Sklavenhalter). Die Lösung war eine Gesetzeslücke, die besagte, das jeder frei war - außer Kriminelle. In der Zeit nach dem Civil War wurden Schwarze bereits für kleine Vergehen wie Landstreicherei bestraft und mussten im Gefängnis - Überraschung - wieder ohne Bezahlung arbeiten. Mhm, da fragt man sich, inwieweit sich ihre Lebensumstände verbessert haben.
Weiter geht es mit der Unterdrückung: Schwarze Männer wurden mithilfe der Medien als Vergewaltiger und beinahe tierische Bestien dargestellt, woraufhin das Lynchen sehr populär wurde. Ein Schwarzer brauchte einem weißen Mädchen bloß hinterherzuschauen und zu pfeifen und schon konnte sich ein Mob versammeln, der den Mann am Baum aufknüpfte, während die Schaulustigen mit ihren Picknickkörben dabeisaßen und zuschauten. Ekelhaft! ...Aber auch das liegt ja weit in der Vergangenheit, nicht?
Dann folgte die Rassentrennung. Es gab in Bussen Sitzplätze für Weiße und welche für Schwarze, Ärzte für Weiße und ein paar wenige für Schwarze - in anderen Worten, es wurde ein Klassensystem eingerichtet, in dem die schwarze Bevölkerung eindeutig die untere oder zweite Klasse war.
So langsam nähern wir uns der Gegenwart. Politiker gewannen Wahlen, indem sie zunächst Angst in der Bevölkerung vor Verbrechen schürten und dann harte Strafen und einen Krieg gegen Drogen und Kriminalität versprachen. Ausdrücke wie "War on Drugs" waren hierbei Codewörter, denn eigentlich ging es um die Verfolgung der schwarzen und der Latino Bevölkerung, die vorangig im Visier der Polizei stand und härtere Strafen als die weiße Bevölkerung bekam. Politiker pumpten Steuergelder in die Exekutive, ließen Gefängnisse bauen und mehr Polizisten einsetzen, sodass die Masseneinbuchtung entstand.
Heute sitzt jeder vierte Gefängnisinsasse der Welt in einem amerikanischen Gefängnis!
Es gibt in den USA private Gefängnisunternehmen, deren Profit darauf aufbaut, dass Leute verurteilt werden. Diese Unternehmen waren in einer Organisation namens ALEC, die aus Unternehmen und Politikern bestand und Gesetze nicht nur entwarf sondern auch durchsetzte. Im Klartext heißt das, dass Gesetze von privaten Firmen geschrieben wurden! Gefängnisfirmen haben natürlich Gesetze entworfen, die für härtere und längere Strafen sorgten, damit ihre Gefängnisse stetig neues "Futter" bekamen. Das heißt, Menschen wurden für kleine Delikte sehr lange weggesperrt damit diese Unternehmen einen Haufen Geld verdienen konnten. Schockierend oder? Und das ist der Stand von vor ein paar Jahren.
Hinzu kommen die Gewalttaten, die in den Gefängnissen verübt werden - Schlägereien und Vergewaltigungen, sowohl von Insassen gegen Insassen, als auch von Aufsehern gegen Insassen.
Hinzu kommen die Unschuldigen, die im Gefängnis sitzen, weil sie aus Angst vor einer langen Strafe einen sogenannten "Plea Bargain" eingegangen sind; sprich, sie haben sich für schuldig erklärt, bevor es zum Gerichtsverfahren kam aus Angst vor einer längeren Strafe.
Hinzu kommen die armen Menschen, die nur deswegen im Gefängnis sitzen, weil sie sich die Kaution nicht leisten können.
Wenn die Insassen ihre Strafe abgesessen haben, könnte man meinen, dass sie als freie Bürger wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden, aber dem ist nicht so. Je nach Staat haben sie kein Anrecht auf Essensmarken, werden bei Jobs benachteiligt und dürfen nicht wählen. Das heißt, obwohl sie "Buße getan haben", werden sie lebenslang von der Gesellschaft ausgestoßen.
So, das war jetzt ein kurzer und bei weitem nicht vollständiger Umriss der Geschichte der Masseneinkerkerung in den USA. Kommen wir also endlich zu Victoria's Secret. Wie oben bereits erwähnt, mussten die Insassen in Gefängnissen bereits in der Zeit nach dem Civil War umsonst arbeiten. Das ist auch heute so. Bis es öffentlich wurde, gab es viele namenhafte Hersteller, darunter auch Victoria's Secret, die ihre Mode in Gefängnissen herstellen ließen. Nachdem dieses nicht ganz so süße Geheimnis an die Öffentlichkeit kam, wechselte Victoria's Secret natürlich ihre Lieferanten. Im Klartext heißt das, ein BH, der vielleicht in eurem Kleiderschrank hängt, ist möglicherweise von einem amerikanischen Gefängnisinassen hergestellt worden, der eventuell unschuldig ist und dessen Leben trotzdem ruiniert sein mag.
Kommen wir zur letzten Frage. Was hat das bitte schön mit uns zu tun?
Die USA und ihre Verrücktheiten ... seit Trump kann uns doch eigentlich nichts mehr überraschen oder schockieren, stimmt's? Und überhaupt geht es uns doch nichts an! Mhm, wäre da nicht die Globalisierung und das ein oder andere Victoria's Secret Teil in deutschen Kleiderschränken ... Wäre da nicht eine Angela Merkel, die neben Barack Obama steht, als der zur Todesstrafe interviewt wird.
Und wenn euch das nicht überzeugt, dann vielleicht folgendes: Wann werden die Leute verstehen, dass, wenn ein schwarzes Leben zählt (BlackLivesMatter), dass dann jedes Leben zählt? Es geht nicht nur um "Schwarze" oder "Gefängnisinsassen", es geht darum, wie wir die Würde des Menschen definieren.
(übersetztes und leicht abgewandeltes Zitat aus dem Film "13th".)
Dieser Blogbeitrag basiert auf dem Film "13th" von Ava DuVernay. Ein sehr empfehlenswerter Film über das System, das hinter amerikanischen Gefängnissen steckt und über die Geschichte der Schwarzen in Amerika. Verfügbar bei Netflix.
Weitere Buch- und Filmempfehlungen:
Bryan Stevenson: Ohne Gnade ("Just Mercy: A Story of Justice and Redemption") - Stevenson ist ein Anwalt, der unter anderem zum Tode verurteilte Gefängnisinsassen vertritt und gegen die Masseneinkerkerung und andere Ungerechigkeiten des Systems kämpft.
Interview zwischen Oprah und Ava DuVernay: Wie "13th" auch auf Netflix zu finden. In dem Interview wird u.a. die Frage gestellt, wie wird sich Amerika unter Trump entwickeln und gibt es noch Hoffnung.
Last Week Tonight mit John Oliver: Auf Youtube gibt es zahlreiche Sendungen und John Oliver behandelt u.a. die Themen "Mass Incarceration", die Todesstrafe und schafft es diese ernsten Themen gleichzeitig lustig und ernsthaft herüber zu bringen (sehr empfehlenswert auch das Video zur Flüchtlingssituation in Europa - einfach mal "Refugees John Oliver" bei Youtube eingeben.)
Am Ende dieses Blogbeitrags möchte ich noch einmal betonen, dass er keineswegs vollständig ist und dieser kurze Abriss der Geschichte beinahe schon moralisch verwerflich ist, eben weil er das Thema so unvollständig anreißt. Eine vollständigere Fassung liefert "13th". Ich wollte mit dem Blogbeitrag einen ersten Gedankenanstoß liefern und auf das Problem aufmerksam machen. Es mag sich um ein amerikanisches Problem handeln, aber in Zeiten der Globalisierung ist es auch unser Problem. Wir als Menschen sollten uns Gedanken darüber machen, wie unsere Welt aussieht und wie wir unsere Mitmenschen behandeln. Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass wir in "aufgeklärten" Zeiten leben, in denen Rassentrennung oder Rassismus allgemein keine Gefahr mehr darstellt.
Dienstag, 3. Oktober 2017
Shoppen und Schokolade ...
...von beidem wird man nicht satt
![]() |
| Berge an Tüten, Tücher, Schuhe und Schmuck vom Shoppingtrip |
Die Geschichte ist mit einigen Veränderungen aus Michael Endes "Momo" übernommen. Die grauen Herren versuchen das Mädchen mit der Puppe zu ködern, aber sie sagt: "Ich glaub, man kann sie (die Puppe) nicht liebhaben." Momo würde ihre Freunde nie gegen eine leblose Puppe tauschen, die mit blechernder Stimme immer mehr Spielsachen verlangt. In dem Punkt ist sie vielen Erwachsenen um einiges vorraus. Viele von uns gehen regelmäßig shoppen, vielleicht, um irgendein Loch in unserem Inneren zu stopfen. Wenn wir ehrlich zu uns sind, merken wir, dass wir das Loch weder mit dem kleinen Schwarzen noch mit der neuesten It-Bag füllen können. Shoppen ist wie Schokolade - Ein kurzes Glückshoch - aber satt wird man davon nicht.
In der heutigen Zeit scheint das Motto der Welt "Mehr, mehr, mehr" geworden zu sein. Mehr Wirtschaftswachstum, mehr Erträge - alles muss höher, weiter und schneller hinausschießen. Kein Wunder also, dass wir Opfer der Werbung werden, die uns verspricht, mit Teil XY ein "ganz anderer Mensch" oder "viel glücklicher" zu werden. Die ganze Gesellschaft denkt und funktioniert ja so. Allein 40-70 Kleidungsstücke kauft jeder von uns Deutschen pro Jahr. Das muss man sich mal vorstellen! Minimalistische Menschen haben gerade mal 40 Sachen in ihrem Kleiderschrank und zwar für alle vier Jahreszeiten. Ich habe einmal nachgezählt und ich besitze allein 29 Ketten. Dabei trage ich nicht mal täglich Schmuck. Was die Minimalisten da draußen bewegt, weniger zu besitzen sind 2 Hauptgründe:
1: Das Gefühl im eigenen Konsum zu ersticken. Minimalismus soll dabei helfen, wieder glücklicher, befreit und kreativer zu sein, da man zu Hause nicht von dem ganzen Besitz erschlagen wird. Wenn man sich von dem befreit, was für einen selbst nutzlos ist, dann kann man sich besser auf das Wichtige im Leben konzentrieren.
2: Umweltbewusstsein. Minimalisten denken genau darüber nach, was sie sich kaufen und die meisten kaufen ihre Klamotten, Bücher, etc. gebraucht oder fair ein. Eigentlich wissen wir es alle: Jede Jeans, die wir kaufen, sei es eine Discounter Jeans oder eine teure Markenjeans, wird in Billiglohnländern produziert. Die Leute dort bekommen nur einen winzigen Bruchteil der 20-100 Euro, die wir im Laden ausgeben. Wenn die Jeans im "Used" oder "Destroyed" Look daher kommt, dann auf Kosten der Gesundheit der Arbeiter, die den Feinstaub des Sandes einatmen, der zum "Destroyen" benutzt wird. Hinzu kommen die beim Anbau von Baumwolle verwendeten Chemikalien, die im Grundwasser landen und dort ihren Schaden anrichten, der lange Transportweg der Kleidung und der große Müll aus Altkleidern, da wir ja oft Sachen entsorgen, um wieder Platz im Kleiderschrank zu schaffen.
Wenn man das so betrachtet, dann wirkt unser Konsum wie ein Kapitalverbrechen an der Welt. Nun bin ich weder Minimalistin noch Moralpredigerin, sondern gehe genau so gern shoppen wie andere Leute auch. Ich gebe offen zu, dass ich viel zu viel besitze (wie gesagt, 29 Ketten!). Aber ich will nicht bis zum neuen Jahr mit meinem Vorsatz warten, weniger zu kaufen. Wenn es euch auch so geht, dann habe ich hier ein paar Tipps, wie ihr euren Konsum einschränken könnt.
Sachen länger tragen: Seht es als Challenge oder Experiment, einmal ein paar Schuhe oder eine Lieblingsjeans so lange zu tragen, bis sie wirklich kaputt geht und dann erst einen Ersatz zu kaufen. Wie lange hat es gedauert? Ein Jahr? Zwei? Nur ein paar Monate
Gebraucht kaufen: Ich kaufe meine Kleidung gerne auf dem Flohmarkt oder in Second Hand Geschäften. Wer mal nach England reist, dem empfehle ich, durch die örtlichen Charity Shops zu stöbern. Die haben weitaus coolere Sachen als der Primark und man unterstützt beim Kauf auch noch einen guten Zweck. Oxfam ist z.B. eine Kette, die es auch in vielen Großstädten hierzulande gibt.
Weniger kaufen: Überleg dir vor jedem Kauf, ob du das Teil wirklich brauchst und wie lange du es tragen wirst. Eine Saison? Maximal ein Jahr? Oder hat das Kleidungsstück Potenzial, dein neues Lieblingsteil zu werden? Im Zweifel einfach zurücklegen lassen und eine Nacht drüber schlafen. Wenn du es am nächsten Morgen vergessen hast, dann brauchst du es auch nicht.
E-Books: Inzwischen kaufe ich 90 % meiner Bücher gebraucht oder als E-Book. Das spart Papier und rettet den Regenwald ;-) Alternativ kannst du dir auch einen Bibliotheks- oder Büchereiausweis besorgen. Unter 18 ist der in den meisten Büchereien sogar kostenlos.
Fair kaufen: Armedangels, Greenality, Grüne Erde und viele weitere Onlineshops bieten recycelte oder nachhaltig angebaute Kleidung, die fair gehandelt wurde.
Spenden oder auf dem Flohmarkt verkaufen: Beim Aussortieren solltest du dir überlegen, was du mit den zu alten Klamotten machst. Du kannst sie z.B. an eine Wohltätigkeitsorganisation wie Oxfam spenden oder auf dem Flohmarkt verkaufen.
Montag, 25. September 2017
MOMO - Was wir aus Kinderbüchern lernen können
![]() | ||||
| Bildquelle: Amazon |
Kurz vorweg zusammengefasst: Momo lehrt uns, warum das Zuhören und die Achtsamkeit gegenüber anderen wichtig ist, wie kostbar jede Stunde Zeit ist und dass wir uns ein Beispiel an Kindern nehmen können, die mit staunenden Augen durch die Welt gehen.
Inhalt:
Wer das Buch nicht kennt oder sich nicht erinnert, hier noch einmal die wichtigsten Punkte: Momo ist ein Mädchen, vermutlich eine Waise, das in eine Ruine eines Amphitheaters zieht. Sie wird von den Menschen der Umgebung in die Gemeinschaft aufgenommen und findet in dem Straßenkehrer Beppo und in Fremdenführer Gigi zwei beste Freunde. Auch die anderen Menschen kommen Momo gerne besuchen, denn das Mädchen kann gut zuhören und hat eine lebhafte Fantasie, mit der sie die anderen Kinder mitreißt.
Auftritt graue Herren. Diese finsteren Gestalten machen sich nach und nach in der Stadt breit, verpesten die Luft mit ihren Zigarren und bringen ihre Zeitsparkonten an den Mann. Sie führen den Leuten vor Augen, wie viel Zeit sie angeblich mit sinnlosen Sachen verschwenden und dass sie diese Zeit doch besser in ein Konto bei den grauen Herren einzahlen können. Nach ihrem Besuch vergessen die Menschen die grauen Herren allerdings wieder. Mit der Zeit werden die Leute hastiger, stumpfer und unfreundlicher. Auch Momo wurde von den grauen Herren besucht, aber sie hatte kein Interesse an deren fantasielosem Spielzeug. Allerdings leidet auch sie unter der Anwesenheit der grauen Herren. Mit perfiden Mitteln schaffen es die Bösewichte Momo komplett von ihren Freunden zu isolieren.
Zum Glück naht die Rettung in Form einer Schildkröte, die auf ihrem Rücken Wörter schreiben kann und die direkt bevorstehende Zukunft sieht. Sie führt Momo zu Meister Hora. Auf dem Weg werden sie von den grauen Herren verfolgt, aber dank Kassiopeia (die Schildkröte) entkommen sie ihnen. Meister Hora erklärt Momo, dass jeder Mensch für jede Stunde Lebenszeit eine neue Stunden-Blume erhält. Die grauen Herren stehlen diese Blumen und rollen sich aus den Blütenblättern ihre Zigarren. Ohne die Zigarren können die grauen Herren nicht überleben. Meister Hora sieht nur einen Weg, die grauen Herren zu stoppen. Er hält die Zeit an, damit die grauen Herren sie nicht weiterhin stehlen können. Momo bekommt nun ihre Stundenblume von Meister Hora, um sich in der still gehaltenen Zeit bewegen zu können. Sie hat also genau eine Stunde um die unterirdische Bank der grauen Herren zu finden, die dort eingefrorenen Stundenblätter zu befreien und die Menschen vor der Krankheit, die die grauen Herren verbreiten (die tödliche Langeweile), zu retten. Das gelingt ihr natürlich. Die grauen Herren verschwinden und die Menschen sind wieder ganz die Alten.
Die Symbolik:
Die grauen Herren: Sie stehen für unsere Hektik, für jeden Moment, in dem wir keine Zeit haben, einem Mitmenschen ein freundliches Lächeln zu schenken. Ich habe das Gefühl, die grauen Herren sind in unserer heutigen Zeit allgegenwärtig. Wie oft nehmen wir uns noch die Zeit, die bunten Blumen am Straßenrand zu bewundern oder in den Wolken nach Tierformen zu schauen? Wenn Michael Ende Momo in der heutigen Zeit geschrieben hätte, dann wären die Zigarren der grauen Herren vermutlich piepende, eckige Geräte, auf denen man mit den Fingern herumwischt. Manchmal scheint es so, als ob wir lieber Instagram Fotos von schönen Seen und Bergen anschauen als im Park um die Ecke die grünen Bäume zu bewundern. Wir sitzen zusammen an einem Tisch und unterhalten uns per WhatsApp statt in echt. Wir "liken" am Tag zehn bis zwanzig Bilder, aber wie viele Komplimente sprechen wir tatsächlich aus? Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich hier nicht den Moralapostel spielen will. Auch ich "like" Videos bei facebook und verbringe viel Zeit vor dem PC. Und sicherlich ist die Welt nicht so schwarz (oder grau), wie ich sie hier male. Ich möchte bloß nicht, dass sie einmal so wird.
Momo und das Zuhören: Am Anfang des Buches wird Momo von den besorgten Menschen ausgefragt weil sie a) ein kleines Kind ist, das b) allein in einer Ruine wohnt. Momo sagt selbst, sie glaubt, dass sie schon immer da gewesen ist und nennt als Alter zögernd die Zahl "Hundert". Wenn man das Buch als Kind liest, denkt man, dass Momo einfach keine Zahlen kennt und nicht weiß, was die Erwachsenen von ihr wollen. Als Erwachsene denke ich, dass es noch eine tiefere Ebene gibt, in der Momo, wie auch die grauen Herren, nicht wirklich existiert (also auch nicht innerhalb der fiktiven Welt). Sie steht allegorisch für das Kindliche, Fantasievolle und die Hoffung in uns allen.
Was ich am Charakter Momo herausstellen möchte, ist eine ihrer Eigenschaften: das Zuhören!
Der Erzähler selbst schreibt, dass nun mancher Leser sagen wird: Zuhören ist doch nichts besonderes. Das kann doch jeder! Aber wirklich zuhören, das ist eine Kunst, die in Wahrheit nur wenige von uns beherrschen. Momo hört mit Anteilnahme und voller Aufmerksamkeit zu. Sie schaut die Redner mit ihren großen Kinderaugen an und schwupps, schon kommen selbst dummen Leuten schlaue Gedanken. Schüchterne Leute fühlen sich auf einmal mutig und ratlose Leute fassen einen Entschluss, nachdem sie sich bei Momo ausgesprochen haben.
Zuhören zu können ist eine Eigenschaft, die einen charismatischen Menschen ausmacht, habe ich mal gelesen. Durch Zuhören wirkt man sympathisch. Diese Weisheit, die in vielen Selbsthilfebüchern oder Youtube Kanälen preis gegeben wird, findet sich bereits im Kinderbuch von Michael Ende. Ich empfehle jedem, der jetzt genauer wissen will, was, warum und wie Zuhören wichtig ist, den Anfang von Momo einmal zu lesen. Das Zuhören wird gleich im 2. Kapitel auf eine sehr lebendige und gut verständliche Art und Weise thematisiert.
Die Stundenblumen: Was für eine Symbolik! Jeder Mensch erhält jede Stunde von Neuem eine kostbare Blume einfach so geschenkt. Eine Stunde Zeit. Nun liegt es an uns, dieses Geschenk zu nutzen. Schätzen wir die Blume wert wie Momo? Sie verschenkt ihre Zeit großzügig, indem die anderen Menschen zuhört und trotz dieses "Verschenkens" ist sie am Reichsten, was die Zeit angeht. Oder versuchen wir die Zeit zu sparen, indem wir unsere Tage mit Terminen vollkleistern? Die Menschen im Buch merken schnell, dass die eingesparte Zeit am Ende des Tages verschwunden ist. Sie denken, die Zeit sei auf ihrem Zeitsparkonto gelandet und würde am Ende ihres Lebens ausgezahlt werden, aber in Wahrheit wird sie von den grauen Herren verraucht. So ist es auch bei uns. Eingesparte Zeit landet nicht auf einem mysteriösen Konto und wird nicht am Ende des Lebens mit Zinsen ausgezahlt. Deswegen sind wir dafür verantwortlich, in uns zu gehen und aktiv eine Entscheidung zu treffen, was wir mit unseren Stundenblumen machen wollen.
Warum Kinderbücher?
Ist es nicht verrückt, dass in einem Buch ab 12 Jahren mehr Weisheit steckt als in so manchem Selbsthilfebuch? Und dass ein Buch von 1972 so aktuell ist (wie gesagt, ersetzt man die Zigarren durch Smart Phones hat man ein erschreckend reales Bild des Gesellschaft)? Ich denke oft, dass wir viel von Kindern lernen können. Wie sie mit staunenden Augen durch die Welt gehen, philosophische Fragen stellen und wie sie mit nichts weiter als einem Ball oder einer leeren Plastikdose stundenlang spielen können. Deswegen meine Ermunterung an euch: Lasst euch von Kindern inspirieren. Geht einmal staunend durch die Welt wie sie. Schreibt einmal Kinderfragen auf, wie Warum schrumpeln die Hände beim Baden? oder Warum gibt es braune und weiße Eier? (hat was mit den Ohrläppchen der Hühner zu tun). Geht auf eine Fantasiereise in ein fernes Land, wo es vielleicht auch Schildkröten gibt, die die Zukunft sehen. Und stellt das Smartphone einmal für ein paar Stunden aus und spielt stattdessen mit etwas Simplem wie mit einem Ball. Oder baut eine Burg aus leeren Klopapierrollen. Werdet kreativ ;-)
Freitag, 30. Dezember 2016
Vorsätze 2017
Ein Tag vor Silvester und noch keine guten Vorsätze für 2017 gefasst? Dann findest du vielleicht Inspirationen in meinen Listen. Ich habe unten typische Vorsätze, lustige und ausgefallene Vorsätze und meine Vorsätze aufgelistet. Außerdem gibt es noch ein paar Gedanken dazu, ob Vorsätze überhaupt sinnvoll sind.
Typische Vorsätze 2017:
- Weniger Alkohol und Aufhören zu Rauchen. Die meisten Deutschen wollen mit schlechten Angewohnheiten aufhören oder sie zumindest herunterschrauben. Dabei muss es nicht unbedingt Alkohol oder Nikotin sein. Andere schlechte Angewohnheiten können übermäßiger Süßigkeiten- oder Chipskonsum sein, dass man zu viel shoppt oder zu viele Serien bei Netflix streamt. Die Liste ist lang ...
- Mehr Zeit mit Freunden und der Familie. Das bedeutet, sich trotz der Arbeit, Uni oder Schule genug Zeit für die Familie zu nehmen. Meine Tipps: Altmodische Kommunikationswege wie das Telefon benutzen oder mal wieder einen Brief schreiben statt einer kurzen WhatsApp Nachricht. Und natürlich auch persönlich vorbeikommen, statt nur zu skypen.
- Gesünder ernähren. Wie wäre es, in den 12 Monaten 12 verschiedene Ernährungsansätze auszuprobieren. Das ist die Challenge für dich selbst und vielleicht findest du damit DIE Ernährungsweise für dich. Verschiedene Ernährungspläne sind z.B.: vegetarisch, vegan, Steinzeitdiät bzw. Paleo, low carb und no carb.
- Abnehmen und Sport treiben. Zum Abnehmen gehört beides: Sport und Ernährung. Ähnlich wie bei der Ernährung kannst du auch beim Sport für ein Jahr lang jeden Monat eine neue Sportart ausprobieren. So findest du am Ende die Sportart, die am besten zu dir passt. Das Ganze muss nicht teuer sein. Vielleicht gibt es ja für einen Monat einen Schnupperpreis bei deinem Fitnessstudio. Oder du kannst bei youtube verschiedene Übungen googeln. Wichtig ist es, dass du in verschiedene Bereiche reinguckst und nicht nur 12 Ausdauersportarten ausprobierst um schließlich festzustellen, dass Ausdauersport nichts für dich ist. Hier eine Auswahl an Sportbereichen mit Beispiel: Tanzsport (Jazzdance), Kampfsport (Karate), Mannschaftssport/Ballsport (Handball), Kraftsport (z.B. im Fitnessstudio) und Ausdauersport (Joggen).
Lustige und ausgefallene Vorsätze 2017:
- einen Baum pflanzen
- in ein Land reisen, wo du noch nie warst
- einen Tag das Smartphone ausschalten
- Nutella ohne Brot essen
- einmal pro Woche bis 12 Uhr Mittags ausschlafen
- nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren sondern mit dem Wagen
- die guten Vorsätze wieder mal nicht durchzuhalten
- sich gar nicht erst gute Vorsätze zu machen und ...
- ...zu bleiben wie man ist
Meine Vorsätze für 2017
- keine Süßigkeiten mehr essen. Dazu gehören auch Softdrinks, Knabbereien wie Chips und süße Brotaufstriche wie Nutella. Statt Süßigkeiten werde ich Obst, selbstgemachte Smoothies und frisch gepresste Obstsäfte essen/trinken.
- nur 50 Euro pro Monat für Kleidung, Bücher und Kosmetik ausgeben ... und so viel wie möglich davon Second Hand kaufen ... und meine Ausgaben pro Monat notieren.
- jeden Tag ein Stück an meinem Selbstbewusstsein arbeiten.
Dienstag, 11. Oktober 2016
Stell-dich-deinen-Ängsten-Tag (11.10.2016)
| Halloween ist der beste Zeitpunkt, sich seiner Spinnenangst oder Blutphobie zu stellen. |
Etwas ganz Wichtiges vorweg. Angst ist nichts Schlechtes!
Dieses Grundgefühl des Menschen ist ein Beschützerinstinkt, der uns vor Gefahr warnt und dem Körper hilft, richtig zu reagieren. Wenn wir uns also mit einem Bungee Seil in die Tiefe stürzen wollen, ist es ganz natürlich, dass der Körper ganz laut STOP schreit. Schließlich würde der Sprung ohne Seil den Tod bedeuten. Fest steht, ohne Angst gäbe es die Menschheit nicht mehr. Die Höhlenbewohner wären allesamt von wilden Tieren zerfleischt worden - Ende der Geschichte.
Angst lässt sich an den Reaktionen des Körpers erkennen. Herzrasen, Schweiß, verengte Pupillen und flache, beschleunigte Atmung sind nur einige Anzeichen von Angst. Diese Reaktionen, auch wenn sie uns als peinlich erscheinen (wer wird schon gerne Rot im Gesicht oder gerät freiwillig vor anderen ins Schwitzen?), haben alle ihre Berechtigung. Sie helfen uns im Ernstfall beim Überleben. Der Körper ist extrem aufmerksam und leistungsstark, er bereitet sich aufs Erstarren oder Flüchten vor.
Lähmende Angst
Angst kann auf der anderen Seite aber auch krankhaft oder zumindest hinderlich sein. Prüfungsangst lässt uns vergessen, was wir gelernt haben, Flugangst verhindert schöne Urlaube in Sehnsuchtsländern und meine Spinnenphobie lässt mich manchmal einen großen Bogen um ganze Zimmer meiner Wohnung machen. Um diese Ängste geht es also heute. Diesen Ängsten, die unser Leben beengen und einschränken (das ist übrigens auch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes 'anghu' = beengend), wollen wir uns heute also stellen.
Was für Ängste/Phobien gibt es?
- Aelurophobie: Die Angst vor Katzen
- Arachnophobie: Die Angst vor Spinnen
- Coulrophobie: Die Angst vor Clowns
- Gelotophobie: Die Angst, ausgelacht zu werden (hat nichts mit Gelato oder Eis zu tun)
- Hippopotomonstrosesquippedaliophobie: Die Angst vor langen Wörter (und da sage noch jemand, Linguisten sein Langweiler! Die sprühen in Wahrheit vor Ironie und Sakrasmus :-) ).
- Phobophobie: Die Angst vor der Angst (Harry Potter leidet bekanntermaßen unter dieser Angst, deswegen ist sein Irrwicht ein Dementor)
- Triskaidekaphobie: Die Angst vor der Zahl 13
- Xenophobie: Das ist keine!!! Angst, auch wenn '-phobie' hinten dran steht, sondern ein Synonym für Fremdenfeindlichkeit
...hängt natürlich von euren Ängsten ab. Allen Leuten, die Angst vor langen Wörtern haben, rate ich 'Hippopotomonstrosesquippedaliophobie' fünfmal hintereinander zu sagen. Aber genug gespaßt, hier kommen meine Tipps für den heutigen Feiertag:
- Macht eine Liste mit euren Ängsten. Welche davon sind sinnvoll und welche beengen euch in eurem Leben?
- Wie könnt ihr euch euren Phobien stellen? Tastet euch langsam heran. Wer Angst vor Spinnen hat, sollte nicht unbedingt als Erstes eine Vogelspinne über sein Gesicht krabbeln lassen (schauder). Beginnt mit etwas Kleinem (um bei meinem Beispiel zu bleiben, fangt eine Hausspinne mit einem Glas ein und setzt sie nach draußen). Arbeitet euch Stück für Stück hoch (bis zur Vogelspinne).
- Findet heraus, warum ihr Angst vor etwas habt. Liegt es an einer schlechten Erfahrung, die ihr früher mal gemacht habt? (Wenn euch früher mal ein Hund gebissen hat, ist eine Canophobie nicht unwahrscheinlich!)
- Könnt ihr die Angst mit logischen Mitteln schlagen? Nehmen wir noch einmal die Hippopotomonstrosesquippedaliophobie. Wer Angst vor langen Wörtern hat, kann diese in kleinere unterteilen. In der Hippo....phobie steckt am Ende das Wort Phobie. Hippopotamus ist das Nilpferd, der Teil Hippopoto ist also davon abgeleitet. 'Monstroses' kommt vom Monstrum, also monströs groß und 'sesquipedalian' ist ein langes Wort. So könnt ihr euch vielen Ängsten entgegenstellen, indem ihr sie kühl analysiert und eine vernünftige Lösung findet.
Sonntag, 2. Oktober 2016
Spaß-trotz-Sparsamkeit-Tag (02.10.2016)
| Da freut sich das Sparschwein |
- Sport: Im Park joggen kostet kein Geld. Einige Großstädte haben neuerdings sogar Fitnessgeräte in Parks, bei denen man mit dem eigenen Körpergewicht arbeitet (s.Foto). Bei schlechtem Wetter ein Youtube Tanzvideo anmachen und mithüpfen. Kosten: Keine!
| Ein Park in Canterbury, England. Die Fitnessgeräte gibt's aber auch in Deutschland |
- Reisen: Wenn ihr Student seid und ein Semesterticket habt, nutzt es, um in eine fremde Stadt oder die Natur zu fahren. Bei manchen Semestertickets sind selbst Fähren- oder Bootsfahrten eingeschlossen. Als Nicht-Student könnt ihr günstige Fernbusse suchen, wandern gehen oder eine Fahrradtour unternehmen und schauen, wie weit ihr kommt. Kosten: 0-5 Euro
- Konzerte, Feiern, etc.: Schau in den Veranstaltungkalender deiner Stadt. Dort findest du alle Veranstaltungen und Festlichkeiten, viele davon auch kostenlos. Ansonsten einfach mal in die Stadt gehen, den Straßenkünstlern zuschauen und ihnen insg. 5 Euro spenden. Kosten: Je nachdem wie spendenfreudig ihr seid.
- Picknickchallenge: Überlegt euch mit Freunden einen malerischen Ort in der Umgebung und plündert dann eure Kühlschränke. Sandwiches, Teigtaschen, Würstchen, Sekt, Frikadellen, Gemüsesticks mit Dip, Minipizzen und Schoki eignen sich hervorragend für ein Picknick. Und wenn jeder etwas beisteuert, wird es ein richtiges Festmahl. Alternativ könnt ihr als Challenge vorher in den Supermarkt gehen (jeder mit 5 Euro) und fürs Picknick einkaufen (Tipp: Nehmt eure Pfandflaschen mit, so könnt ihr etwas extra Budget rausschlagen). Kosten: 0-5 Euro
- Tauschen: Wenn die Klamotten in deinem Kleiderschrank alle laaangweilig sind und du neues Lese- oder Filmfutter suchst, momentan aber knapp bei Kasse bist, organisier mit deinen Freunden doch eine Tauschparty. Jeder bringt Klamotten, Schmuck, DVDs, Bücher, CDs, vielleicht sogar Essen und Schminke mit, die er/sie nicht mehr braucht und dann wird losgetauscht. Am besten legt ihr dazu lustige Musik auf und stellt Knabbereien auf den Tisch um für eine gemütliche Stimmung zu sorgen. Am Ende habt ihr einen schönen Nachmittag verbracht und obendrein noch ein neues Lieblingsteil ertauscht. Kosten: Keine!
- Fotoshooting: Unternimm mit deiner besten Freundin ein Fotoshooting. Schminkt euch schön und geht bei gutem Wetter in den Park oder an den See, wo ihr einen schönen Hintergrund habt. Jetzt im Herbst könnt ihr z.B. bunte Blätter in die Luft werfen und auf euch hinabrieseln lassen. Nehmt euch coole Accessoires wie Seifenblasen, Schirme, Hüte oder Sonnenbrillen mit und bearbeitet eure Fotos nachher am Computer (ein kostenloses Programm ist beispielsweise GIMP). Ihr braucht dazu natürlich im besten Fall eine Kamera oder mindestens ein Handy. Spielt mit lustigen Farbfiltern (macht z.B. schwarz-weiß Fotos, bei der nur die Farbe Rot hervorgehoben wird). Ihr könnt eurer Fantasie hier freien Lauf lassen und euch fantasievoll schminken, berühmte Fotos oder Gemälde nachstellen oder einfach lustige Sprungfotos machen und eure witzigsten Grimassen festhalten. Kosten: Keine!
- Waschmittel herstellen: Ich habe neulich ein einfaches Mittel erfahren, wie man umweltfreundlich und kostenlos Waschmittel machen kann. Dazu braucht man einfach nur Kastanien, Wasser und ein verschließbares Glas. Die Kastanien klein schneiden, in das Glas mit Wasser geben und 24 Stunden stehen lassen. Dann kann man die Flüssigkeit (ohne die Kastanienstücke) als Waschpulver benutzen. Wenn man die Kastanien vorher kleingehackt auf der Fensterbank trocknen lässt, hält sich das Waschmittel länger, ansonsten schnell verbrauchen. Kosten: Keine!
Dienstag, 13. September 2016
Tag des positiven Denkens (13.09.2016)
An diesem Tag sollte man alle Grübeleien und Sorgen in die hinterste Ecke seines Gehirns verbannen! Jaja, ich weiß, leichter gesagt, als getan.
Mir fällt es an diesem Tag selbst etwas schwer, positiv zu bleiben. Ich hatte ein paar Probleme in den letzten Tagen. Ein Job ist mir durch blöde Umstände durch die Lappen gegangen, ich war etwas krank und schließlich wurde mir mein Fahrrad geklaut. Blöd, blöd, nochmal blöd. Umso mehr freue ich mich darüber, diesen Blogartikel schreiben zu können und mir selbst Ratschläge zum positiven Denken zu geben :-D
Mut zum Unglücklichsein
Gleich vorweg: Ich halte überhaupt nichts von dem Trend der glückssüchtigen Gesellschaft, wie es Herr Gauck genannt hat. Ich finde es falsch, negative Gefühle wie Wut und Trauer zu verbannen.
Erstens können wir die guten Tage ohne schlechte Tage nicht richtig wertschätzen.
Zweitens liegen diese Gefühle in der Natur des Menschen und haben durchaus ihren Zweck. Angst ist zum Beispiel ein gutes Warnsignal. Wut kann uns helfen, für uns einzustehen. Und was wären wir denn für Menschen, wenn wir beim Verlust eines Verwandten oder Freundes keine Trauer empfinden würden? Auch Pessimismus hilft, nicht mit einem strahlenden Grinsen auf die Fr*sse zu fliegen, sondern die Stolperfalle vorher zu erkennen.
Drittens ist es nicht gesund, Gefühle zu verdrängen. Wer Gefühle wie Wut und Trauer nicht zulässt, wird auf Dauer krank. Wirklich krank! Geschwüre im Magen entstehen unter anderem durch zu viel Stress, genau wie erhöhter Blutdruck oder Herzerkrankungen. Der Körper und die Psyche sind miteinander verbunden! Außerdem suchen sich die unterdrückten Gefühle immer einen Weg an die Oberfläche. Das kann sich z.B. im Frustessen oder unkontrollierten Wutanfällen äußern.
Aber es ist doch Tag des POSITIVEN Denkens
Ja, richtig. Trotz des letzten Absatzes bin ich genauso wenig ein Fan von ständigem Grübeln und der herrlichen Frage: Was wäre gewesen, wenn ... Ich sage nur, dass wir nicht versuchen sollten, jeden Tag 100% glücklich zu sein. Stattdessen sollten wir lernen, nach einem schlechten Tag oder einer Niederlage wieder aufzustehen.
So, jetzt aber zum positiven Denken. Ich finde es wichtig, sich in schwierigen Lagen bewusst zu machen, welche Bereich im Leben noch gut laufen. Wenn man gerade seinen Job verloren hat, hilft es vielleicht, dankbar für seine Gesundheit und seine Freundschaften oder seine Beziehung zu sein. Hier ist eine (unvollständige) Liste an großen Lebensbereichen, die ich auch gerne als meine Säulen bezeichne. Schaut doch mal, welche eurer Säulen gerade stehen und welche wackeln.
- Körper, Gesundheit
- Familie, der Partner
- Freunde
- Beruf, Schule, Studium (der Sinn, das Streben, der Traum des Lebens)
- Hobbys (kann ebenfalls das Streben des Lebens sein)
- Religion, Lebensphilosophie
Die Gesundheit finde ich komischerweise am Wichtigsten. Ich denke immer, wenn man z.B. starke Schmerzen hat, dann kann man alles andere nicht richtig genießen. Vermutlich finden Leute, die chronische Krankheiten/Schmerzen haben, einen Weg, damit zu leben, aber für mich ist die Gesundheit trotzdem an oberster Stelle.
Familie, der Partner und Freunde sind wichtig, da wir Menschen soziale Tiere sind. Das braucht glaub ich keine weitere Erklärung.
Ich denke, dass jeder Mensch etwas braucht, wonach er strebt. Der persönliche Ehrgeiz. Diesen kann man im Beruf oder vielleicht auch den Hobbys finden. Früher war diese Säule vielleicht das Beeren sammeln oder jagen, kurz gesagt, das Überleben. Diese Säule ist schwer zu beschreiben, es ist eine Art Ziel oder ein Streben nach etwas.
Schließlich benötigt jeder Mensch meiner Meinung nach Überzeugungen, Werte, einen Glauben. Das muss nicht an Gott sein. Vielleicht weiß man bis zum Ende seines Lebens nicht, woran man glaubt (ich weiß z.B bis heute nicht, ob ich an die Endlichkeit oder Unenendlichkeit von Zeit und Raum glaube), aber es ist wichtig, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Es ist eine schöne Gehirnarbeit, sich damit auseinanderzusetzen und man lernt sich so selbst besser kennen.
Und was hat das mit dem positivem Denken zu tun?
Jetzt bin ich schon wieder vom eigentlichen Thema abgeschweift. Also mein Punkt ist, dass man sich, wenn eine Säule etwas wackelt, zumindest über die fest stehenden Säulen freuen kann.
Bevor ich erneut abschweife, gibt es jetzt die Liste mit den Tipps, was ihr heute machen könnt, um positiv zu denken:
- Ganz viel lächeln. Lächelt euer Spiegelbild an und es lächelt zurück. Lächelt andere Menschen an und sie lächeln zurück.
- Die Steigerung: ganz viel Lachen. Schaut lustige Youtube Videos von Skatebord-fahrenden Katzen, trefft euch mit Freunden und tauscht lustige Erinnerungen aus, lernt einen Witz, ...
- Bastelt oder kauft euch einen Tageskalender mit aufmunternden, positiven Sprüchen
- Erlaubt euch, an diesem Tag alle Sorgen zu vergessen (schreibt sie zur Not irgendwo auf, damit sie nicht als Endlosschleife in eurem Kopf rumspuken). Versucht heute nicht, die Lösung für irgendwelche schwerwiegenden Probleme zu finden.
Weitere Infos zum Tag des positiven Denkens gibt es hier.
Kalender mit positiven Sprüchen gibt es hier und bei Amazon.
Weitere Texte zum Thema: Mut zum Unglücklichsein gibt es hier und hier.
Abonnieren
Posts (Atom)



