Posts mit dem Label Bücher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bücher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 6. April 2020

Geistige Nahrung in Corona-Zeiten



Leakey's Second-Hand Bookshop in Inverness, Schottland
Lies doch mal wieder ein Buch!

Würde man mit einer großen Gruppe eine Mindmap zum Thema "Corona" machen, dann würden  verschiedene Leute wohl ganz verschiedene Stichworte aufschreiben. Diejenigen, die zu Hause bleiben und keine Kinder bespaßen müssen, vielleicht: "Langeweile". Die Eltern, die jetzt zwangsweise auch Lehrer sind: "Herausforderung". Die Ärzte und Krankenschwestern möglicherweise: "Stress" und sowohl die Risikogruppe als auch alle, die um ihre berufliche Existenz bangen: "Angst". Welche Worte würdet ihr noch zu der Mindmap hinzufügen?

In diesem Post geht es sowohl um die Leute, die sich langweilen als auch um eine Branche, die momentan sehr gefährdet ist: Die Buchbranche. Wer gerade zu Hause sitzt und Däumchen dreht, der kann die Buchbranche nämlich unterstützen.

Was sind die Probleme?
Im Boersenblatt kann man nachlesen, dass Amazon zurzeit nur Produkte mit hoher Nachfrage (im Klartext: Haushalts-, Sanitätsartikel, etc.) bestellt und keine Bücher mehr. Das stellt kleine Verlage vor große Probleme. Sie sind durch geschlossene Buchhandlungen auf Online-Bestellungen angewiesen. Auch die Buchhandlungen haben es schwer. Wie andere Läden sind sie vorübergehend geschlossen und bangen um ihre Existenz.

Was können wir tun?
Wir können zum einen Bücher bei den Buchhandlungen in der eigenen Stadt oder dem eigenen Dorf bestellen. Zum anderen können wir z.B. E-Books direkt auf der Seite des Verlags herunterladen. Damit tun wir nicht nur was gegen die Langeweile, sondern unterstützen eine Branche, die ohnehin seit Jahren in der Krise steckt.

Ich selber habe heute "Das NEINhorn" von Marc-Uwe Kling bei einer süßen, kleinen Buchhandlung in der Nähe bestellt. Ganz einfach per Telefon! (Auf der Webseite vom SPIEGEL findet man übrigens eine vom Autor selber gelesene Fassung).

Und was haben wir davon?

Neben der erwähnten Langeweile, die wir mit Büchern erfolgreich bekämpfen können, ist Lesen einfach eine tolle Sache.


- Lesen fördert die Kreativität, da man, anders als beim Fernsehen, selber Bilder im Kopf formt

- Lesen fördert die Allgemeinbildung: Man lernt neue Wörter, man trainiert die eigene Rechtschreibung und man eignet sich neues Wissen an

- Lesen hilft dabei, sich zu fokussieren: In der Zeit der flimmernden Bildschirme ist das konzentrierte Lesen wieder eine neue Herausforderung, aber sie lohnt sich ;)

- Lesen fördert die Empathie: Wenn man mit seinen Helden mitfiebert und aus ihren Geschichten und zwischenmenschlichen Beziehungen lernt, dann steigert das das eigene Mitgefühl

- Lesen macht stark: Wenn kleine Mädchen Pippi Langstrumpf lesen, dann lernen sie ein starkes, freches und mutiges Vorbild kennen, das sie ihr ganzes Leben lang begleiten kann. Wenn kleine Jungen Harry Potter lesen, dann lernen sie, dass man mit einem reinen Herzen auch einen unsterblichen Bösewicht besiegen kann (zumindest mit der Hilfe von wahren Freunden).








Mittwoch, 21. Februar 2018

Buchempfehlung: "Scythe"


 Unsterblichkeit - Utopie oder Dystopie?

Quelle: Amazon


Setting: In Neal Shustermans "utopischer" Welt sind die Menschen quasi unsterblich. Sie haben im Körper sogenannte "nanites", die sie bei Unfällen heilen und Schmerzen verhindern. Sollten sie doch einmal sterben (weil sie beispielsweise von einem Hochhaus springen), werden sie in Wiederbelebungszentren "zurück" gebracht. Auch das Problem des Alterns ist geklärt: Man kann sich einfach zurücksetzen lassen, das heißt, wenn man z.B. 50 ist und wieder jünger sein möchte, setzt man sich auf z.B. 23 zurück.  Nun müssen Menschen auch in dieser Welt sterben, weil Babys geboren werden und die Menschen irgendwann keinen Platz mehr auf der Erde hätten. Dazu gibt es den Berufsstand der "Scythes", auf Deutsch: Sensen.

Plot: Citra und Rowan werden Azubis von Scythe Faradayund müssen sich mit dem einerseits privilegierten, andererseits gefürchteten Status der Scythe auseinandersetzen. Natürlich kommen sie sich hierbei näher ... Doch nur einer von ihnen kann am Ende ein Scythe werden und die erste Aufgabe des Gewinners wird fatale Folgen haben ...

Philosophie und Gesellschaftskritik: Ich empfehle Shustermans Buch nicht wegen der Liebesgeschichte zwischen Rowan und Citra (die hat mich gar nicht mal so sehr gepackt) oder wegen der Spannung und der Action. Was mir an dem Buch am besten gefällt ist der beinahe erschreckend genaue Einblick, den Shusterman in unsere Gesellschaft hat und die möglichen Lösungen, die er in seiner "Utopie" vorstellt (samt ihrer Konsequenzen). Ich werde im folgenden auf die verschiedenen gesellschaftlichen und philosophischen Aspekte eingehen:

- Künstliche Intelligenz: In Shustermans Welt hat sich unsere "Cloud" in eine künstliche Intelligenz mit Bewusstsein weiterentwickelt: den Thunderhead. Der Thunderhead ist also ein riesiges Datensystem. Außerdem gibt es in Shustermans Welt überall Kameras und Mirkofone, sodass der Thunderhead allwissend und allgegenwärtig ist.

Das klingt jetzt erstmal nach totalitärem Überwachungsstaat, aber so einfach macht es sich Shusterman nicht.

Der Thunderhead hat schließlich ein Bewusstsein und ist allgut. Er handelt nach moralischen Werten und kümmert sich um die Umwelt und die Menschen. Er organisiert alles vom Straßenbau bis hin zur Nahrungsbeschaffung. Bis jetzt bin ich skeptisch, was die Moralität des Thunderhead betrifft - es scheint zu gut um wahr zu sein, dass er nicht der übergroße Bösewicht der Trilogie ist, aber wir werden sehen.

Der Thunderhead hat außerdem die Regierungen abgelöst und ist Alleinherrscher über die Welt - eben, weil er unfehlbar ist und immer die beste Lösung für alles weiß. Außerdem ist er natürlich nicht korrupt, weil er nie an seinen eigenen Vorteil denkt. Wieder zweifle ich daran, dass man einer künstlichen Intelligenz die Macht über die gesamte Erde anvertrauen sollte, aber bis jetzt ist Shustermans Logik standfest.

So langsam wird ein Bild vom Thunderhead deutlich, das sich gar nicht so sehr von dem Bild eines Gottes unterscheidet. Beide sind allmächtig, allgut und allwissend (wobei der Thunderhead nicht ganz allmächtig ist, aber dazu später). Beide sind nicht greifbar und übermenschlich. Und ich als Nicht-Gläubige würde argumentieren, dass beide von Menschen geschaffen wurden. Gäbe es keinen Menschen mit Bewusstsein, dann könnte sich auch niemand einen Gott vorstellen, ergo gäbe es ihn auch nicht (religiöse Menschen werden mir hier widersprechen). Ich finde diese Parallelen zwischen einem technologischen "Gott" und den heutigen Religionen echt spannend!

Das Einzige, worbüber der Thunderhead keine Macht hat, sind die Scythes. Er hat schon früh entschieden, dass die Aufgaben der Geburt und des Todes in Menschenhand bleiben sollen. Auch diese Art von Gewaltenteilung ist wirklich interessant.

- Die menschlichen Folgen von Unsterblichkeit: Obwohl es die Scythes gibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man bis zu tausend Jahre alt wird. Der Tod ist für Menschen in dieser Welt also in weite Ferne gerückt. Was sind die Folgen, wenn man keine Angst mehr vor dem Tod hat? Laut Shusterman ist es eine Oberflächlichkeit der Menschen, die ohne Tiefgang in ihren langen Leben herumdümpeln - ohne wirkliche Ambitionen. Keiner braucht arbeiten, denn für Nahrung, etc. sorgt der Thunderhead. Armut, Kriminalität und alles andere, was uns heutzutage zu schaffen macht, sind von der Bildfläche verschwunden und was bleibt, ist eine gewisse Eintönigkeit. Bereits Kant schrieb, dass in einem Zustand des langen Friedens der Charakter von Nationen verkümmern würde (obwohl er auch ein Werk namens "Zum ewigen Frieden" schrieb, aber wir stecken schließlich alle voller Widersprüche).

Ich finde es durchaus nachvollziehbar, dass wir Menschen ohne Nöte und Sorgen irgendwann nicht mehr zu tiefgehenden Empfindungen fähig wären. Auf der anderen Seite sollten wir trotzdem nach Frieden streben und keinen Krieg anfangen, bloß damit uns Emotionen wie Angst und Terror und damit auch ein Streben nach einer besseren Welt oder einem besseren Leben erhalten bleiben.


- Die Moral des Tötens:  Nur wer kein Scythe sein möchte, ist würdig einer zu sein. Das ist die Philosophie von Rowans und Citras Mentor, dem Scythe Faraday. Schon wieder ein Widerspruch, aber ein durchaus bekannter. Bereits in Harry Potter heißt es, dass nur derjenige, der nicht nach Macht strebt, würdig ist, Macht zu tragen. Egal ob in der Politik, in der Lehre oder eben als Scythe; es ist ein ähnliches Prinzip. Große Macht heißt große Verantwortung. Speziell, wenn es um so etwas Schreckliches wie das Töten geht, sind moralische Prinzipien sehr wichtig. Das Thema steht in Shustermans Buch sehr im Vordergrund. Die verschiedenen Scythes, die wir im Verlauf kennenlernen, haben sehr unterschiedliche Herangehensweisen an das Töten und diese verraten viel über ihre moralischen Prinzipien. Ist es zum Beispiel gnädiger, die Menschen entscheiden zu lassen, wie sie sterben? Sollte man ihnen Zeit geben, sich von den Liebsten zu verabschieden? Oder ist ein unmittelbarer Tod der gnädigste?

Es sind Fragen, die auch für uns relevant sind, auch wenn wir nicht in dem Luxus (ist es Luxus?) leben, über unsere Todesart oder unseren Todeszeitpunkt zu bestimmen. Aber sicherlich fragt sich der ein oder andere, ob er lieber plötzlich sterben möchte (z.B. in einem Unfall) oder lieber Zeit hätte, sich zu verabschieden (z.B. bei einer unheilbaren Krankheit). Ich habe das Gefühl, dass wir bereits heutzutage das Thema Tod beiseite schieben, weil es ein durchaus unangenehmes zu sein scheint, dabei gehört es doch zum Leben dazu wie die Geburt. Ich frage mich manchmal, ob Anti-Falten Cremes und Botox deswegen so populär sind, weil wir durch ein jüngeres Aussehen das Alter und damit den Tod weit von uns schieben wollen.



Fazit: Ich könnte diesen Blogartikel noch locker verdoppeln, weil Shustermans Trilogie sehr viel Stoff für philosophische Diskussionen bietet, aber das hier genügt als ersten (und bereits sehr intensiven) Einblick. Ich kann die Scythe-Trilogie wirklich wärmstens empfehlen, wenn ihr auf der Suche nach einer guten Utopie/Dystopie seid (ob es eine Utopie oder Dystopie ist, lasse ich mal offen). Sie ist wirklich sehr tiefgehend und gleichzeitig spannend und actiongeladen. Wenn ihr die ersten beiden Bücher gelesen habt (das zweite Buch heißt "Thunderhead"), dann schreibt mir gerne bei Facebook, was euch am meisten interessiert und zum Nachdenken angeregt hat.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Amerikanische Gefängnisse, Victoria's Secret und was das mit uns zu tun hat







Wenn ihr nicht zufällig Fans von "Orange is the new Black" seid, dann geht es euch vielleicht wie mir und ihr habt euch selten gefragt, was in Gefängnissen auf der anderen Seite der Welt so vor sich geht. Es ist ja auch so weit weg ...

Tatsächlich ist das Gefängnissystem ein heiß diskutiertes Thema in Amerika. Was ich hier in diesem Post berichte, ist nichts Neues, aber in Deutschland sind die Informationen vielleicht noch nicht so verbreitet, deswegen auch der Post. Ich möchte für eine größere "Sichtbarkeit" des Problems sorgen, das irgendwie auch unser Problem ist ...

Aber zunächst muss ich ein bisschen ausholen und euch mit "Geschichtsfakten langweilen", damit ihr die Ausmaße der ganzen Sache versteht. Sehr vereinfacht gesagt hat die Masseneinkerkerung in den USA (mass incarceration) ihren Ursprung in der Sklaverei.

Nachdem diese abgeschafft wurde, gab es 1. eine Masse an ehemaligen Sklaven (und man wusste nicht wohin mit ihnen) und 2. keine freie Arbeit mehr ("frei" hier im Sinne von kostenlos für die Arbeitgeber bzw. Sklavenhalter). Die Lösung war eine Gesetzeslücke, die besagte, das jeder frei war - außer Kriminelle. In der Zeit nach dem Civil War wurden Schwarze bereits für kleine Vergehen wie Landstreicherei bestraft und mussten im Gefängnis - Überraschung - wieder ohne Bezahlung arbeiten. Mhm, da fragt man sich, inwieweit sich ihre Lebensumstände verbessert haben.

Weiter geht es mit der Unterdrückung: Schwarze Männer wurden mithilfe der Medien als Vergewaltiger und beinahe tierische Bestien dargestellt, woraufhin das Lynchen sehr populär wurde. Ein Schwarzer brauchte einem weißen Mädchen bloß hinterherzuschauen und zu pfeifen und schon konnte sich ein Mob versammeln, der den Mann am Baum aufknüpfte, während die Schaulustigen mit ihren Picknickkörben dabeisaßen und zuschauten. Ekelhaft! ...Aber auch das liegt ja weit in der Vergangenheit, nicht?

Dann folgte die Rassentrennung. Es gab in Bussen Sitzplätze für Weiße und welche für Schwarze, Ärzte für Weiße und ein paar wenige für Schwarze - in anderen Worten, es wurde ein Klassensystem eingerichtet, in dem die schwarze Bevölkerung eindeutig die untere oder zweite Klasse war.

So langsam nähern wir uns der Gegenwart. Politiker gewannen Wahlen, indem sie zunächst Angst in der Bevölkerung vor Verbrechen schürten und dann harte Strafen und einen Krieg gegen Drogen und Kriminalität versprachen. Ausdrücke wie "War on Drugs" waren hierbei Codewörter, denn eigentlich ging es um die Verfolgung der schwarzen und der Latino Bevölkerung, die vorangig im Visier der Polizei stand und härtere Strafen als die weiße Bevölkerung bekam. Politiker pumpten Steuergelder in die Exekutive, ließen Gefängnisse bauen und mehr Polizisten einsetzen, sodass die Masseneinbuchtung entstand.

Heute sitzt jeder vierte Gefängnisinsasse der Welt in einem amerikanischen Gefängnis!

Es gibt in den USA private Gefängnisunternehmen, deren Profit darauf aufbaut, dass Leute verurteilt werden. Diese Unternehmen waren in einer Organisation namens ALEC, die aus Unternehmen und Politikern bestand und Gesetze nicht nur entwarf sondern auch durchsetzte. Im Klartext heißt das, dass Gesetze von privaten Firmen geschrieben wurden! Gefängnisfirmen haben natürlich Gesetze entworfen, die für härtere und längere Strafen sorgten, damit ihre Gefängnisse stetig neues "Futter" bekamen. Das heißt, Menschen wurden für kleine Delikte sehr lange weggesperrt damit diese Unternehmen einen Haufen Geld verdienen konnten. Schockierend oder? Und das ist der Stand von vor ein paar Jahren.

Hinzu kommen die Gewalttaten, die in den Gefängnissen verübt werden - Schlägereien und Vergewaltigungen, sowohl von Insassen gegen Insassen, als auch von Aufsehern gegen Insassen.

Hinzu kommen die Unschuldigen, die im Gefängnis sitzen, weil sie aus Angst vor einer langen Strafe einen sogenannten "Plea Bargain" eingegangen sind; sprich, sie haben sich für schuldig erklärt, bevor es zum Gerichtsverfahren kam aus Angst vor einer längeren Strafe.

Hinzu kommen die armen Menschen, die nur deswegen im Gefängnis sitzen, weil sie sich die Kaution nicht leisten können.

Wenn die Insassen ihre Strafe abgesessen haben, könnte man meinen, dass sie als freie Bürger wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden, aber dem ist nicht so. Je nach Staat haben sie kein Anrecht auf Essensmarken, werden bei Jobs benachteiligt und dürfen nicht wählen. Das heißt, obwohl sie "Buße getan haben", werden sie lebenslang von der Gesellschaft ausgestoßen.

So, das war jetzt ein kurzer und bei weitem nicht vollständiger Umriss der Geschichte der Masseneinkerkerung in den USA. Kommen wir also endlich zu Victoria's Secret. Wie oben bereits erwähnt, mussten die Insassen in Gefängnissen bereits in der Zeit nach dem Civil War umsonst arbeiten. Das ist auch heute so. Bis es öffentlich wurde, gab es viele namenhafte Hersteller, darunter auch Victoria's Secret, die ihre Mode in Gefängnissen herstellen ließen. Nachdem dieses nicht ganz so süße Geheimnis an die Öffentlichkeit kam, wechselte Victoria's Secret natürlich ihre Lieferanten. Im Klartext heißt das, ein BH, der vielleicht in eurem Kleiderschrank hängt, ist möglicherweise von einem amerikanischen Gefängnisinassen hergestellt worden, der eventuell unschuldig ist und dessen Leben trotzdem ruiniert sein mag.

Kommen wir zur letzten Frage. Was hat das bitte schön mit uns zu tun?
 
Die USA und ihre Verrücktheiten ... seit Trump kann uns doch eigentlich nichts mehr überraschen oder schockieren, stimmt's? Und überhaupt geht es uns doch nichts an! Mhm, wäre da nicht die Globalisierung und das ein oder andere Victoria's Secret Teil in deutschen Kleiderschränken ... Wäre da nicht eine Angela Merkel, die neben Barack Obama steht, als der zur Todesstrafe interviewt wird.

Und wenn euch das nicht überzeugt, dann vielleicht folgendes: Wann werden die Leute verstehen, dass, wenn ein schwarzes Leben zählt (BlackLivesMatter), dass dann jedes Leben zählt? Es geht nicht nur um "Schwarze" oder "Gefängnisinsassen", es geht darum, wie wir die Würde des Menschen definieren.
(übersetztes und leicht abgewandeltes Zitat aus dem Film "13th".)

Dieser Blogbeitrag basiert auf dem Film "13th" von Ava DuVernay. Ein sehr empfehlenswerter Film über das System, das hinter amerikanischen Gefängnissen steckt und über die Geschichte der Schwarzen in Amerika. Verfügbar bei Netflix.

Weitere Buch- und Filmempfehlungen:

Bryan Stevenson: Ohne Gnade ("Just Mercy: A Story of Justice and Redemption") - Stevenson ist ein Anwalt, der unter anderem zum Tode verurteilte Gefängnisinsassen vertritt und gegen die Masseneinkerkerung und andere Ungerechigkeiten des Systems kämpft.

Interview zwischen Oprah und Ava DuVernay: Wie "13th" auch auf Netflix zu finden. In dem Interview wird u.a. die Frage gestellt, wie wird sich Amerika unter Trump entwickeln und gibt es noch Hoffnung.

Last Week Tonight mit John Oliver: Auf Youtube gibt es zahlreiche Sendungen und John Oliver behandelt u.a. die Themen "Mass Incarceration", die Todesstrafe und schafft es diese ernsten Themen gleichzeitig lustig und ernsthaft herüber zu bringen (sehr empfehlenswert auch das Video zur Flüchtlingssituation in Europa - einfach mal "Refugees John Oliver" bei Youtube eingeben.)


Am Ende dieses Blogbeitrags möchte ich noch einmal betonen, dass er keineswegs vollständig ist und dieser kurze Abriss der Geschichte beinahe schon moralisch verwerflich ist, eben weil er das Thema so unvollständig anreißt. Eine vollständigere Fassung liefert "13th". Ich wollte mit dem Blogbeitrag einen ersten Gedankenanstoß liefern und auf das Problem aufmerksam machen. Es mag sich um ein amerikanisches Problem handeln, aber in Zeiten der Globalisierung ist es auch unser Problem. Wir als Menschen sollten uns Gedanken darüber machen, wie unsere Welt aussieht und wie wir unsere Mitmenschen behandeln. Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass wir in "aufgeklärten" Zeiten leben, in denen Rassentrennung oder Rassismus allgemein keine Gefahr mehr darstellt.



 


Montag, 25. September 2017

MOMO - Was wir aus Kinderbüchern lernen können

Bildquelle: Amazon



Jeder von uns hat schon was von Pippi Langstrumpf mit den roten Haaren oder von Enid Blytons Fünf Freunden gehört, selbst wenn wir die Bücher als Kinder nicht gelesen haben. Vielen ist aber vielleicht gar nicht bewusst, was für Botschaften in diesen Kinderbüchern stecken. Ich fange heute mal mit dem (wie ich finde) krassesten Beispiel für Weisheit und Moral in Kinderbüchern an: Michael Endes Momo. 

Kurz vorweg zusammengefasst: Momo lehrt uns, warum das Zuhören und die Achtsamkeit gegenüber anderen wichtig ist, wie kostbar jede Stunde Zeit ist und dass wir uns ein Beispiel an Kindern nehmen können, die mit staunenden Augen durch die Welt gehen.


Inhalt:

Wer das Buch nicht kennt oder sich nicht erinnert, hier noch einmal die wichtigsten Punkte: Momo ist ein Mädchen, vermutlich eine Waise, das in eine Ruine eines Amphitheaters zieht. Sie wird von den Menschen der Umgebung in die Gemeinschaft aufgenommen und findet in dem Straßenkehrer Beppo und in Fremdenführer Gigi zwei beste Freunde. Auch die anderen Menschen kommen Momo gerne besuchen, denn das Mädchen kann gut zuhören und hat eine lebhafte Fantasie, mit der sie die anderen Kinder mitreißt.

Auftritt graue Herren. Diese finsteren Gestalten machen sich nach und nach in der Stadt breit, verpesten die Luft mit ihren Zigarren und bringen ihre Zeitsparkonten an den Mann. Sie führen den Leuten vor Augen, wie viel Zeit sie angeblich mit sinnlosen Sachen verschwenden und dass sie diese Zeit doch besser in ein Konto bei den grauen Herren einzahlen können. Nach ihrem Besuch vergessen die Menschen die grauen Herren allerdings wieder. Mit der Zeit werden die Leute hastiger, stumpfer und unfreundlicher. Auch Momo wurde von den grauen Herren besucht, aber sie hatte kein Interesse an deren fantasielosem Spielzeug. Allerdings leidet auch sie unter der Anwesenheit der grauen Herren. Mit perfiden Mitteln schaffen es die Bösewichte Momo komplett von ihren Freunden zu isolieren. 

Zum Glück naht die Rettung in Form einer Schildkröte, die auf ihrem Rücken Wörter schreiben kann und die direkt bevorstehende Zukunft sieht. Sie führt Momo zu Meister Hora. Auf dem Weg werden sie von den grauen Herren verfolgt, aber dank Kassiopeia (die Schildkröte) entkommen sie ihnen. Meister Hora erklärt Momo,  dass jeder Mensch für jede Stunde Lebenszeit eine neue Stunden-Blume erhält. Die grauen Herren stehlen diese Blumen und rollen sich aus den Blütenblättern ihre Zigarren. Ohne die Zigarren können die grauen Herren nicht überleben.  Meister Hora sieht nur einen Weg, die grauen Herren zu stoppen. Er hält die Zeit an, damit die grauen Herren sie nicht weiterhin stehlen können. Momo bekommt nun ihre Stundenblume von Meister Hora, um sich in der still gehaltenen Zeit bewegen zu können. Sie hat also genau eine Stunde um die unterirdische Bank der grauen Herren zu finden, die dort eingefrorenen Stundenblätter zu befreien und die Menschen vor der Krankheit, die die grauen Herren verbreiten (die tödliche Langeweile), zu retten. Das gelingt ihr natürlich. Die grauen Herren verschwinden und die Menschen sind wieder ganz die Alten.

Die Symbolik:

Die grauen Herren: Sie stehen für unsere Hektik, für jeden Moment, in dem wir keine Zeit haben, einem Mitmenschen ein freundliches Lächeln zu schenken. Ich habe das Gefühl, die grauen Herren sind in unserer heutigen Zeit allgegenwärtig. Wie oft nehmen wir uns noch die Zeit, die bunten Blumen am Straßenrand zu bewundern oder in den Wolken nach Tierformen zu schauen? Wenn Michael Ende Momo in der heutigen Zeit geschrieben hätte, dann wären die Zigarren der grauen Herren vermutlich piepende, eckige Geräte, auf denen man mit den Fingern herumwischt. Manchmal scheint es so, als ob wir lieber Instagram Fotos von schönen Seen und Bergen anschauen als im Park um die Ecke die grünen Bäume zu bewundern. Wir sitzen zusammen an einem Tisch und unterhalten uns per WhatsApp statt in echt. Wir "liken" am Tag zehn bis zwanzig Bilder, aber wie viele Komplimente sprechen wir tatsächlich aus? Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich hier nicht den Moralapostel spielen will. Auch ich "like" Videos bei facebook und verbringe viel Zeit vor dem PC. Und sicherlich ist die Welt nicht so schwarz (oder grau), wie ich sie hier male. Ich möchte bloß nicht, dass sie einmal so wird.

Momo und das Zuhören: Am Anfang des Buches wird Momo von den besorgten Menschen ausgefragt weil sie  a) ein kleines Kind ist, das b) allein in einer Ruine wohnt. Momo sagt selbst, sie glaubt, dass sie schon immer da gewesen ist und nennt als Alter zögernd die Zahl "Hundert".  Wenn man das Buch als Kind liest, denkt man, dass Momo einfach keine Zahlen kennt und nicht weiß, was die Erwachsenen von ihr wollen. Als Erwachsene denke ich, dass es noch eine tiefere Ebene gibt, in der Momo, wie auch die grauen Herren, nicht wirklich existiert (also auch nicht innerhalb der fiktiven Welt). Sie steht allegorisch für das Kindliche, Fantasievolle und die Hoffung in uns allen. 

Was ich am Charakter Momo herausstellen möchte, ist eine ihrer Eigenschaften: das Zuhören!

Der Erzähler selbst schreibt, dass nun mancher Leser sagen wird: Zuhören ist doch nichts besonderes. Das kann doch jeder! Aber wirklich zuhören, das ist eine Kunst, die in Wahrheit nur wenige von uns beherrschen. Momo hört mit Anteilnahme und voller Aufmerksamkeit zu. Sie schaut die Redner mit ihren großen Kinderaugen an und schwupps, schon kommen selbst dummen Leuten schlaue Gedanken. Schüchterne Leute fühlen sich auf einmal mutig und ratlose Leute fassen einen Entschluss, nachdem sie sich bei Momo ausgesprochen haben. 

Zuhören zu können ist eine Eigenschaft, die einen charismatischen Menschen ausmacht, habe ich mal gelesen. Durch Zuhören wirkt man sympathisch. Diese Weisheit, die in vielen Selbsthilfebüchern oder Youtube Kanälen preis gegeben wird, findet sich bereits im Kinderbuch von Michael Ende. Ich empfehle jedem, der jetzt genauer wissen will, was, warum und wie Zuhören wichtig ist, den Anfang von Momo einmal zu lesen. Das Zuhören wird gleich im 2. Kapitel auf eine sehr lebendige und gut verständliche Art und Weise thematisiert.  

Die Stundenblumen: Was für eine Symbolik! Jeder Mensch erhält jede Stunde von Neuem eine kostbare Blume einfach so geschenkt. Eine Stunde Zeit. Nun liegt es an uns, dieses Geschenk zu nutzen. Schätzen wir die Blume wert wie Momo? Sie verschenkt ihre Zeit großzügig, indem die anderen Menschen zuhört und trotz dieses "Verschenkens" ist sie am Reichsten, was die Zeit angeht. Oder versuchen wir die Zeit zu sparen, indem wir unsere Tage mit Terminen vollkleistern? Die Menschen im Buch merken schnell, dass die eingesparte Zeit am Ende des Tages verschwunden ist. Sie denken, die Zeit sei auf ihrem Zeitsparkonto gelandet und würde am Ende ihres Lebens ausgezahlt werden, aber in Wahrheit wird sie von den grauen Herren verraucht.  So ist es auch bei uns. Eingesparte Zeit landet nicht auf einem mysteriösen Konto und wird nicht am Ende des Lebens mit Zinsen ausgezahlt. Deswegen sind wir dafür verantwortlich, in uns zu gehen und aktiv eine Entscheidung zu treffen, was wir mit unseren Stundenblumen machen wollen. 

Warum Kinderbücher?

Ist es nicht verrückt, dass in einem Buch ab 12 Jahren mehr Weisheit steckt als in so manchem Selbsthilfebuch? Und dass ein Buch von 1972 so aktuell ist (wie gesagt, ersetzt man die Zigarren durch Smart Phones hat man ein erschreckend reales Bild des Gesellschaft)? Ich denke oft, dass wir viel von Kindern lernen können. Wie sie mit staunenden Augen durch die Welt gehen, philosophische Fragen stellen und wie sie mit nichts weiter als einem Ball oder einer leeren Plastikdose stundenlang spielen können. Deswegen meine Ermunterung an euch: Lasst euch von Kindern inspirieren. Geht einmal staunend durch die Welt wie sie. Schreibt einmal Kinderfragen auf, wie Warum schrumpeln die Hände beim Baden? oder Warum gibt es braune und weiße Eier? (hat was mit den Ohrläppchen der Hühner zu tun). Geht auf eine Fantasiereise in ein fernes Land, wo es vielleicht auch Schildkröten gibt, die die Zukunft sehen. Und stellt das Smartphone einmal für ein paar Stunden aus und spielt stattdessen mit etwas Simplem wie mit einem Ball. Oder baut eine Burg aus leeren Klopapierrollen. Werdet kreativ ;-) 


Freitag, 19. August 2016

Dystopien






Ich bin ein Fan von Dystopien, aber ich finde es inzwischen richtig schwierig, gute Dystopien zu finden. Für alle von euch, denen das auch so geht, habe ich hier ein paar weniger bekannte Dystopien zusammengetragen, die ich euch kurz vorstellen möchte:

1. Die Eleria Trilogie von Ursula Poznanski

Die dystopische Welt ist in zwei Gesellschaften aufgeteilt: Diejenigen, die wohlbehütet unter den Kuppeln leben und die "Prims", die Primitiven, die sich als Clans zusammengefunden haben und vom Jagen leben. Ria und ihre Freunde gehören zu den Elite-Studenten der Kuppeln, aber auf einmal sollen sie getötet werden und können nur knapp entkommen. Sie werden von den Prims gefangen genommen und erfahren nach und nach die Wahrheit über ihre Welt. Ursula Poznanski ist eine wirklich gute Autorin. Ihre Bücher sind alle superspannend (wer die Trilogie fertig gelesen hat, kann mal zu Erebos greifen). Diese Trilogie hat die perfekte Mischung aus Spannung, einer gut ausgearbeiteten dystopischen Welt, einem (nicht klischeehaften) Liebesdreieck und vielschichtigen Charakteren. Einzig allein Band 3 fällt meiner Meinung nach etwas ab, da ich die Wendungen dort größtenteils vorhersehen konnte und die Charaktere teilweise etwas unlogisch gehandelt haben.

2. Die Poison Princess Reihe von Kresley Cole

Ich habe bisher erst den ersten Band gelesen, kann also keine Einschätzung für die gesamte Reihe vornehmen. Poison Princess ist keine klassische Dystopie, sondern eine Mischung aus Dystopie und Fantasy. Die Protagonistin Evie hat düstere Träume, die sie so beängstigten, dass sie sogar von ihrer Mom in die Psychiatrie eingewiesen wird. Dann erweisen sich die Träume jedoch als prophetisch, als die Welt durch einen "Blitz" in eine apokalyptische Zukunft gestürzt wird, in der es keine Pflanzen und fast kein Wasser mehr gibt (dafür aber wasserdurstende Zombies). Das Buch fokussiert sich in der ersten Hälfte sehr auf Evies Teenager Leben vor dem Blitz, meiner Meinung nach ist dieser Teil etwas zu lang geraten. Es gibt auch eine spannende Rahmenhandlung, die sich am Ende verblüffend gut aufklärt. Eine Liebesgeschichte ist natürlich auch vorhanden. Es gibt einen Bad Boy, der neu auf ihrer Schule ist. Zwischen ihm und Evie fliegen die Fetzen, aber nach dem Blitz beschützt und kümmert er sich um sie. Die Hassliebe zwischen den beiden hat mir gut gefallen, auch wenn sie manchmal etwas forciert wirkte. So, den Rest zähle ich besser als Themen auf, da die Rezension sonst zu lang werden würde: Pflanzen (Evie hat Macht über sie), Erschaffen und Zerstören, Zombies, Tarotkarten, ein Spiel, das an die Tribute von Panem erinnert,  die reichen, amerikanischen Teenager und (Alp)träume.

3. In Time - Deine Zeit läuft ab.

In Time ist ein Film, kein Buch. Justin Timberlake spielt mit und Andrew Niccol hat Regie geführt. Die Menschen in dieser dystopischen Welt haben eine Art Uhr in ihren Arm eingebaut. Wenn diese abgelaufen ist, sterben sie. Dafür können sie aber auch ewig lang 25 Jahre alt bleiben (bzw. so aussehen), wenn sie immer genug Zeit auf der Uhr haben. Zeit ist das neue Zahlungsmittel für alles. Kaffee kostet zum Beispiel 5 Minuten, eine Busfahrt eine halbe Stunde. Will (Justin Timberlake) lebt im Ghettho, wo für Zeit gemordert wird und man um jede Minute kämpft. Seine Mutter stirbt zum Beispiel, weil sie die Busfahrt nicht bezahlen kann und eine Sekunde zu spät in Wills Arme fällt (sehr dramatisch *gähn*). Will bekommt von einem Mann, der nicht mehr leben will, über 100 Jahre geschenkt und geht nach dem Tod seiner Mutter in den Hauptsektor der Stadt, um das System zu stürzen. Dort gewinnt er beim Poker viele weitere Stunden und lernt den Mann kennen, der eine Million Jahre verwaltet. Seine Tochter Sylvia (Amanda Seyfried) und er nehmen ein romantisches Mondscheinbad, aber dann kommt die Polizei, um Will zu verhaften. Sie denken, er habe dem Mann die 100 Jahre gestohlen, weil kein Mensch freiwillig seine Unsterblichkeit aufgeben würde ... Will nimmt Sylvia als Geisel und flieht zurück ins Ghetto. Mit der Zeit erkennt Sylvia, warum Will tut, was er tut, und unterstützt ihn bei seinem Plan, das System zu stürzen ...

Der Film hat mit der Lebenszeit als Währung eine wirklich interessante Grundidee. Es gibt auch schöne, vorrausdeutende Szenen, die sich am Ende zu einem Kreis schließen (wenn ihr den Film schaut, werdet ihr merken, was ich meine). Ich hätte es schöner gefunden, wenn der philosophische Aspekt etwas mehr Bedeutung bekommen hätte. Es war alles sehr auf Action programmiert, was für mich die Geschichte etwas zerstört hat. Ich hätte ein anderes Ende erwartet, finde es aber gut gelöst. Es ist ein halb offenes Ende mit einer großen Portion Hoffnung. Alles in allem ein gut gelungener Film mit einer faszinierenden Grundidee.

4. Maze Runner von James Dashner

Ich wollte in diesem Beitrag nur etwas unbekanntere Bücher/Filme vorstellen, mache bei diesem Buch aber eine Ausnahme, weil ich nicht verstehen kann, warum Maze Runner ein verfilmter Bestseller ist. Ich habe das erste Buch auf Englisch gelesen und die Dialoge waren absolut unglaubwürdig und in die Länge gezogen. Anfangs hat mich der Dialekt der Jungen im Labyrinth auch sehr gestört, das wurde etwas besser. Ich muss zugeben, ich war neugierig auf die Auflösung (wobei man in Band 1 nicht wirklich viele Antworten erhält), deswegen habe ich es zu Ende gelesen. Aber ich bin nicht neugierig genug, um mir Band 2 und 3 anzutun. Ich fand das Buch einfach nur schlecht geschrieben. Das Einzige, was ich Maze Runner zugute halten kann, ist die Spannung und die Tatsache, dass ich vielleicht einfach nicht die Zielgruppe bin. Jungen im Alter von 12-16 Jahren finden den Schreibstil vielleicht ganz toll, aber meins war es nicht (und ich lese auch viele Bücher mit männlichen Protagonisten, ich sage nur Harry Potter ...).

Dienstag, 9. August 2016

Tag der Buchliebhaber (09.08.2016)


Dieser Eintrag richtet sich an alle Buchliebhaber. Sie mögen Krimi- oder Fantasy Fans sein, gerne Liebesgeschichten mit einer Prise Humor lesen oder nur das, was mein Professor als "Highbrow Literature" bezeichnete (ich stelle mir dabei immer schnöselige und leicht arrogante Menschen vor, die alles, was nicht den Autorennamen Kafka, Shakespeare, Tolstoi, ... trägt, nur mit gespitzten Fingern anfassen und möglichst schnell aus ihrer Sichtweite bringen würden). Doch eines haben wir Buchliebhaber gemeinsam: Wir lieben es, in die fremden Welten zu tauchen, die sich beim Lesen autun.

Die Geschichte der Leser ist schwer zu finden. Die Geschichte der Literatur, die Geschichte der Autoren, ja, dazu finden sich massenweise Bücher. Aber die Leser, die Rezipienten, sind doch genauso wichtig für das Buch wie das Publikum fürs Theater. Kein Schauspieler würde gern für einen komplett leeren Saal spielen und kein Autor ein Buch schreiben, das niemand lesen soll (zumindest der Autor wird es lesen wollen).

Nun, wenn es da draußen keine Informationen zur Geschichte der Leser gibt, werde ich eben einen kurzen Beitrag dazu erstellen. Beginnen wir mit einem essentiellen Punkt: Der Alphabetisierung der Leute. Ohne Menschen, die lesen können, keine Leser.

Im Römischen Reich war die Alphabetisierung, wen wundert's, weit voran geschritten. Es gab bereits ein Bibliothekssystem sowie Verlage. Außerdem wurden Menschen, selbst Bauern und Sklaven von einem staatlichen System gebildet, das heißt, sie bekamen Lese- und Schreibunterricht.

Im Mittelalter, dem dunklen Zeitalter, in dem vieles von dem alten Wissen in Vergessenheit geriet, sanken auch die Zahlen der Lesekundigen. Der Klerus sowie einige Adlige konnten schreiben und lesen und auch manche wohlhabende Bürger in größeren Städten. Bauern dagegen hatten nicht wie wir die Chance, ihrem zähen Leben durch das Lesen für einige Stunden zu entkommen. Die Ungebildetheit der einfachen Bevölkerung kam der Kirche ganz recht. So konnten sie ihnen erklären, was in der Bibel steht, wie sie zu leben und was sie an die Kirche abzutreten hatten. Dabei wurde das Wort Gottes ganz schön für die eigenen Zwecke der Kirche missbraucht.

Mit der Reformation entstand zum ersten Mal der Schrei des kleinen Bürgers, die Bibel für alle Menschen zugänglich zu machen Dazu gehörte nicht nur das Lesen sondern auch das Übersetzen der Bibel von Latein auf Deutsch. Die Erfindung bzw. Verbreitung des Buchdrucks von Gutenberg brachte dann die entscheidene Wende. Das geschah um 1450 rum. Die einzelnen Lettern konnten in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen in den Setzkasten gesetzt werden. Dann wurde die Seite, aus den Lettern bestehend, vielfach gedruckt und der Setzkasten wurde für die nächste Seite geordnet. So konnten Bücher schnell und verhältnismäßig günstig gedruckt werden. Das führte dazu, dass sie eine größere Masse an Menschen erreichten.

Die nächsten entscheidenen Punkte in der Geschichte waren die französische Revolution und die Industrialisierung. Die französische Revolition schaffte die Stände- und Adelsgesellschaft ab (zuerst in Frankreich, dem Vorreiter, dann verbreiteten sich die französischen Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in ganz Europa und den USA). Das brachte mehr Rechte für den kleinen Bürger, also auch mehr Rechte in Bezug auf die Bildung. Die Industrialisierung vereinfachte den Buchdruck weiter und brachte durch Erfindungen wie die Eisenbahn ein Stück Globalisierung und Vernetzung. Das in Weimar geschriebene Buch konnte mit dem Güterzug bequem nach Hamburg gebracht und dort verkauft werden.

Die Entwicklung der Leser hängt auch eng mit den Büchern zusammen, die zu den jeweiligen Zeiten angeboten wurden. Im Mittelalter gab es nur wenige Bücher, da sie alle handschriftlich abgeschrieben werden mussten. Das übernahmen oft Mönche und Nonnen in Klostern. Dementsprechend war das populärste Buch die Bibel. Zur Zeit der Renaissance und des Buchdrucks kamen dann andere Bücher und Bücherarten auf. In England wurden um 1550-1600 Theaterstücke und Sonnetts als kleine Heftchen verkauft, es gab auch Ratgeber zum Haushalt und gutem Benehmen. In Deutschland wurden mit Goethe und Schiller zwei berühmte Autoren geboren, die ihr Geld damit verdienten, Bücher für die Bevölkerung zu schreiben. Das war ein neues Konzept. Das Konzept des autonomen Autors. Hier wurden die Leser erstmals berühmt. Nach Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" ging eine Suizidwelle durch Deutschland. Die jungen Leser fühlten sich so ergriffen und konnten sich so sehr mit Werther identifizieren, dass sie sein Schicksal teilten ...

Wir Buchliebhaber haben es vielen bedeutenden Persönlichkeiten zu verdanken, dass wir lesen können und genügend Stoff zum Lesen haben. Leuten wie Gutenberg mit seinem Buchdruck, Autoren wie Goethe und Schiller, die das Buch revolutionierten und schließlich den einfachen Lesern der Vergangenheit, die durch ihr Konsumverhalten und ihre Reaktionen auf die Bücher zeigten, in welche Richtung die Literatur gehen sollte. Wir sollten lesen also als nichts Selbstverständliches nehmen. Es ist ein Privileg. Und ein unglaubliches Vergnügen. Deswegen möchte ich an dieser Stelle 'Danke' sagen. Danke an all die großartigen Menschen in der Vergangenheit, die das Buch mit erfunden haben. Danke an die großartigen Autoren, die mich in immer wieder neue Welten entführen. Und Danke an alle anderen Buchliebhaber, die es Autoren ermöglichen, vom Schreiben zu leben. Die mit ihren Geschmäckern neue Trends setzen und bestimmen, welche Bücher morgen gelesen werden. Danke!

Mittwoch, 13. Juli 2016

Harry Potter England Tour


Das Vorbild für die große Halle in Oxford, Christ Church College

Für alle Fans von Harry Potter empfehle ich wärmstens, nach England zu fahren und auf die Spuren von Harry Potter zu gehen. Hier stelle ich eine Reihe von Plätzen, Aktivitäten und Wissenswertem rund um Harry Potter in England (und Schottland) vor.

1. London.



In London befinden sich so viele Drehorte der HP Filme, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Sehr beeindruckend ist die Warner Bros Studio Tour - The Making of Harry Potter. Die Warner Bros Studios liegen etwas außerhalb von London, in einem Ort namens Watford. Man erreicht sie allerdings mit einer Overground Bahn von London innerhalb von einer halben Stunde. Der Bahnhof heißt Watford Junction. Von da aus fährt der Shuttle Bus, in dem man sich bereits fühlt wie in dem Fahrenden Ritter. Die Studio Tour beginnt mit einer langen Warteschlange, selbst unter der Woche (ich würde nicht empfehlen, am Wochenende oder an Feiertagen zu kommen). Wichtig ist, rechtzeitig sein Ticket zu buchen (am besten 1-3 Monate vorher) und eine Stunde vorher da zu sein. Drinnen beginnt die Tour mit dem prächtigen Speisesaal, der sich hinter dem großen Tor verbirgt. Dann kommt man in eine große Halle, in der man u.a. fliegen lernen kann (und das Video dann teuer erstehen kann aber nicht muss), oder seine Zauberstabbewegungen mit professioneller Hilfe etwas aufpeppen kann. Es gibt außerdem zahlreiche Requisiten zu sehen. Dann kommt man irgendwann zu dem Außenbereich, wo der Fahrende Ritter und das Haus der Dursleys zu sehen ist. In einem Café kann man Butterbier erstehen, was ich nicht unbedingt empfehlen kann. In der nächsten Halle ist der Hogwarts Express ausgestellt und dann geht es hinter die Kulissen zu den sooo echt wirkenden Puppen von Dobby, Aragog, den Drachen ... Ganz am Ende gibt es noch ein Highlight, aber das werde ich nicht verraten, da es die Überraschung kaputt macht. Ich hätte fast geweint, als ich es gesehen habe, so beeindruckend war es. Auch der Shop lohnt sich. Es ist zwar nicht gerade günstig, aber mein Zauberstab aus Schokolade (für nur 5 Pfund) liegt immer noch in meinem Zimmer, direkt neben der Schokofroschverpackung, die genau aussieht wie aus dem Film.

Ein weiteres Highlight in London ist Gleis 9 3/4 in King's Cross. Wenn man in den Bahnhof kommt, muss man nicht lange suchen, um die Attraktion zu sehen, meistens stehen da Menschenmassen herum, die ein Foto machen wollen. Dort steckt ein Trolley halb in der Wand und wenn man sich anstellt, kann man ein Foto davon machen. Es gibt sogar einen hilfsbereiten Mitarbeiter, der einem den Gryffindor Schal umlegt und so festhält, dass es aussieht, als fliege er einem hinterher, während man durch die Wand rennt. Daneben ist der meist überfüllte 9 3/4 Fanshop, der trotzdem einen Besuch wert ist.

Ebenfalls in den Filmen zu sehen ist der London Zoo (HP 1, Harry findet heraus, dass er mit Schlangen sprechen kann), die Millenium Bridge (HP 6, wird von den Todessern in die Luft gejagt), der Leadenhall Market (dort wurde in HP 1 die Winkelgasse gedreht, außerdem gibt es dort sagenhaft gute Cookies) und das Australia House , das als Außenfassade von Gringotts gedient hat.

2. Schottland

HP Filme zeichnen sich nicht nur durch die Handlung, sondern auch die schönen Landschaftsbilder aus. Der Hogwarts Express fuhr so z.B. über das Glennfinnan Viaduct in Schottland. Mit dem Jacobite Steam Train lässt sich diese Strecke nachfahren und man sieht neben dem Viadukt auch Schottlands großartige Natur.

3. Hogwarts

Die Innen- und Außenszenen der Schule wurden an den verschiedensten Drehorten gedreht. Durham Cathedral war z.B. der Drehort des Kreuzgangs und des Innenhofes. Die Bodleian Library in Oxford wurde für den Krankensaal und die Bibliothek von Hogwarts benutzt. Das Alnwick Castle war Drehort für die erste Flugstunde für Harry im ersten Film. Auch die Cathedral of Gloucester  wurde für verschiedene Innenansichten gefilmt.
Die Radcliffe Camera der Bodleian Library (nicht nach Daniel Radcliffe benannt :P)

4. Goathland Station

Der Bahnhof wurde in HP 1 für den Hogsmeade Bahnhof verwendet, an dem die rührenden Ankunfts- und Abfahrtsszenen gedreht wurden.

Unten findet ihr weitere Links zu Drehorten und anderem nützlichen Wissen in London. 


 https://www.visitbritainshop.com/deutschland/artikel-und-news/harry-potter-film-locations/

 https://www.wbstudiotour.co.uk/de/

http://www.visitlondon.com/things-to-do/sightseeing/london-attraction/harry-potters-london#9qQLXw0AhfVttv0Z.97





Donnerstag, 12. Mai 2016

Die besten englischen Bücher, Filme und Serien

1: Harry Potter. Da gibt es eigentlich nicht mehr zu sagen. Mein persönlicher Platz 1. Er hat mich durch die Kindheit und Jugend begleitet. Ich bin mit dem Zauberlehrling aufgewachsen und warte immer noch auf folgende Bücher: Hogwarts, a History, Die Biografie von Albus Dumbledore von Rita Skeeter, das Ganze aus Voldemorts Sicht (wobei, letzteres vielleicht lieber nicht). Auf meiner To-Do Liste. Den Harry-Potter Theme Park in Florida besuchen und noch einmal in die Warner Bros. Studios in London.
https://www.wbstudiotour.co.uk/de/
https://www.universalorlando.com/harrypotter/


2: Sherlock. Die genialste Serie der Welt von der leider nur viel zu selten neue Folgen herauskommen. Ich persönlich stehe zwar nicht auf Benedict Cumberbatch, aber mir gefallen die überraschenden Wendungen und wie sie mit Effekten spielen und zum Beispiel Gedanken visualisieren oder SMS auf den Bildschirm schreiben.
http://www.bbc.co.uk/programmes/b018ttws

3: Ballet Shoes: Sowohl das Buch als auch der Film. Mir ist bewusst, dass viele Ballet Shoes vielleicht nicht mal kennen, geschweige denn auf Nr. 3 ihrer Liste setzen würden, aber ich liebe die Atmosphere in dem Buch/Film. Es geht um drei Waisenkinder, die von einem kauzigen Professor adoptiert werden. Weil der aber verschollen ist und nicht genug Geld da gelassen hat, werden die Kinder auf eine Tanzschule geschickt und verdienen später Geld auf der Bühne. Man fühlt sich wirklich ins London um die Zeit zwischen 1920-40 herum versetzt.  Außerdem spielt in dem Film Emma Watson mit, was für mich persönlich die Kirsche auf dem Törtchen war.

Blog-Archiv