Donnerstag, 12. März 2020

Gedankensalat zum Coronavirus


Gedankensalat zum Coronavirus

Trotz Coronavirus sollten wir nicht zum einsamen Leuchtturm mutieren (s.u.)



„Boah, voll übertrieben mit dem Coronavirus. Die Grippe ist eh viel gefährlicher. Was soll denn die ganze Panikmache?“ (abgewandelter Kommentar unter einem Youtube-Video)

Dröseln wir das Ganze von hinten auf. Panik ist laut Duden die „durch eine plötzliche Bedrohung, Gefahr hervorgerufene übermächtige Angst, die das Denken lähmt und zu kopflosen Reaktionen führt.“ Übermächtige Angst, gelähmtes Denken und kopflose Reaktionen? So etwas können wir alle wohl in keiner Lebenslage gebrauchen, bei einer Epidemie erst recht nicht.

(Interessanter Fakt: Das Wort „Panik“ hängt mit dem griechischen Gott Pan zusammen: eine Panik galt früher als eine Riesenangst, die von dem alten Hirtengott verursacht wurde.)

Doch zurück zum Coronavirus: Panik ist sicherlich nicht der Schlüssel zum Erfolg, ernst nehmen sollte man eine Pandemie (die hat etymologisch nix mit dem griechischen Gott zu tun) trotzdem! Das Virus ist für immunschwache Menschen sehr wohl gefährlich und zur Zeit gibt es noch keinen Impfstoff dagegen. Außerdem gilt es, die Verbreitung zu verlangsamen, damit das Gesundheitssystem nicht überfordert wird.

Wer trotzdem noch nicht an den Ernst der Lage glaubt, der soll doch bitte einmal entsprechende Stichworte („Corona“+“China“, „Corona“+“Italien“) in die Suchmaschine tippen und sich die menschenleeren Straßen in diesen Ländern angucken.

Doch als Nicht-Medizinerin würde ich mich als Hochstaplerin fühlen, wenn ich hier länger über die Symptome und Vorsichtsmaßnahmen schwafeln würde. Dazu sollte man sich besser auf den Seiten des Gesundheitsministeriums oder der World Health Organization (kurz WHO) informieren.  

Ich gehe stattdessen lieber auf die menschlichen Aspekte ein. Was können wir (außer Hände waschen) tun? Wie sollen wir uns verhalten? Und was machen wir den lieben langen Tag, wenn wir unter Quarantäne stehen?

Auf der Seite des Gesundheitsministeriums wird davon gesprochen, dass das Zusammenleben trotzdem weiter funktionieren müsse, dass eine Balance zwischen Einschnitten und Alltag gefunden werden soll. Das Zusammenleben ist ein wichtiges Stichwort. Ich möchte euch alle da draußen bitten, euren Kopf und euer Herz nicht auszuschalten. Das klingt jetzt total kitschig, ich weiß! Aber was ich damit meine: Verfallt nicht in Panik (siehe oben). Bewahrt euer Mitgefühl. Helft einander. Durch das Coronavirus ist das neue Trendwort „soziale Distanzierung“ (social distancing) entstanden; also der Rat, Großveranstaltungen und öffentliche Verkehrsmittel zu meiden, keine Hände zu schütteln, etc. Diese Maßnahmen sind aus medizinischer Sicht sinnvoll, aber das heißt ja nicht, dass wir uns auf der Gefühlsebene von unseren Mitmenschen distanzieren müssen und zum einsamen Leuchtturm in der Landschaft mutieren. Das Coronavirus kann nicht durchs Handy übertragen werden, also nutzt die (Quarantäne-)Zeit, um mit euren Liebsten zu telefonieren, frischt eure Kontakte auf und seid nett zueinander. Das ist auch schon mein erster Tipp gegen die Langeweile in der möglichen Quarantäne.
Hier sind ein paar weitere Ideen, was ihr tun könnt, wenn ihr die nächsten Wochen zu Hause bleiben müsst:

-        -  Lernt mit Youtube, Büchern oder Apps eine neue  Sprache

-        -  Räumt euer Zimmer/die Wohnung/das Haus auf
-
-        -  Macht eine Quarantäne-Koch-Challenge (Wie pimpe ich den Bohneneintopf aus der Dose so auf, dass er nicht mehr so schlecht schmeckt, wie er aussieht?)

-         - Sucht euch einen Personal-Trainer bei Youtube und trainiert mit ihm
-          Spielt doch mal wieder ein Gesellschaftsspiel (es gibt passend zum Thema das Brettspiel „Pandemie“ von Matt Leacock.)

-         - Verlernt das Lachen nicht!!! Mir persönlich helfen immer Late-Night- und News-Shows wie „Last Week Tonight“ mit John Oliver oder die „Daily Show“ mit Trevor Noah (das deutsche Pendant dazu wäre wohl die Heute-Show auf ZDF). Aber egal, ob ihr euch mit lustigen Katzen-Videos oder intellektuellen und philosophischen Witzen aufmuntert: Verlernt das Lachen nicht!

Gesundheit ist der größte Reichtum. Liebe ist der kostbarste Schatz. Und Lachen die beste Medizin.
In diesem Sinne :-)

Mittwoch, 21. Februar 2018

Buchempfehlung: "Scythe"


 Unsterblichkeit - Utopie oder Dystopie?

Quelle: Amazon


Setting: In Neal Shustermans "utopischer" Welt sind die Menschen quasi unsterblich. Sie haben im Körper sogenannte "nanites", die sie bei Unfällen heilen und Schmerzen verhindern. Sollten sie doch einmal sterben (weil sie beispielsweise von einem Hochhaus springen), werden sie in Wiederbelebungszentren "zurück" gebracht. Auch das Problem des Alterns ist geklärt: Man kann sich einfach zurücksetzen lassen, das heißt, wenn man z.B. 50 ist und wieder jünger sein möchte, setzt man sich auf z.B. 23 zurück.  Nun müssen Menschen auch in dieser Welt sterben, weil Babys geboren werden und die Menschen irgendwann keinen Platz mehr auf der Erde hätten. Dazu gibt es den Berufsstand der "Scythes", auf Deutsch: Sensen.

Plot: Citra und Rowan werden Azubis von Scythe Faradayund müssen sich mit dem einerseits privilegierten, andererseits gefürchteten Status der Scythe auseinandersetzen. Natürlich kommen sie sich hierbei näher ... Doch nur einer von ihnen kann am Ende ein Scythe werden und die erste Aufgabe des Gewinners wird fatale Folgen haben ...

Philosophie und Gesellschaftskritik: Ich empfehle Shustermans Buch nicht wegen der Liebesgeschichte zwischen Rowan und Citra (die hat mich gar nicht mal so sehr gepackt) oder wegen der Spannung und der Action. Was mir an dem Buch am besten gefällt ist der beinahe erschreckend genaue Einblick, den Shusterman in unsere Gesellschaft hat und die möglichen Lösungen, die er in seiner "Utopie" vorstellt (samt ihrer Konsequenzen). Ich werde im folgenden auf die verschiedenen gesellschaftlichen und philosophischen Aspekte eingehen:

- Künstliche Intelligenz: In Shustermans Welt hat sich unsere "Cloud" in eine künstliche Intelligenz mit Bewusstsein weiterentwickelt: den Thunderhead. Der Thunderhead ist also ein riesiges Datensystem. Außerdem gibt es in Shustermans Welt überall Kameras und Mirkofone, sodass der Thunderhead allwissend und allgegenwärtig ist.

Das klingt jetzt erstmal nach totalitärem Überwachungsstaat, aber so einfach macht es sich Shusterman nicht.

Der Thunderhead hat schließlich ein Bewusstsein und ist allgut. Er handelt nach moralischen Werten und kümmert sich um die Umwelt und die Menschen. Er organisiert alles vom Straßenbau bis hin zur Nahrungsbeschaffung. Bis jetzt bin ich skeptisch, was die Moralität des Thunderhead betrifft - es scheint zu gut um wahr zu sein, dass er nicht der übergroße Bösewicht der Trilogie ist, aber wir werden sehen.

Der Thunderhead hat außerdem die Regierungen abgelöst und ist Alleinherrscher über die Welt - eben, weil er unfehlbar ist und immer die beste Lösung für alles weiß. Außerdem ist er natürlich nicht korrupt, weil er nie an seinen eigenen Vorteil denkt. Wieder zweifle ich daran, dass man einer künstlichen Intelligenz die Macht über die gesamte Erde anvertrauen sollte, aber bis jetzt ist Shustermans Logik standfest.

So langsam wird ein Bild vom Thunderhead deutlich, das sich gar nicht so sehr von dem Bild eines Gottes unterscheidet. Beide sind allmächtig, allgut und allwissend (wobei der Thunderhead nicht ganz allmächtig ist, aber dazu später). Beide sind nicht greifbar und übermenschlich. Und ich als Nicht-Gläubige würde argumentieren, dass beide von Menschen geschaffen wurden. Gäbe es keinen Menschen mit Bewusstsein, dann könnte sich auch niemand einen Gott vorstellen, ergo gäbe es ihn auch nicht (religiöse Menschen werden mir hier widersprechen). Ich finde diese Parallelen zwischen einem technologischen "Gott" und den heutigen Religionen echt spannend!

Das Einzige, worbüber der Thunderhead keine Macht hat, sind die Scythes. Er hat schon früh entschieden, dass die Aufgaben der Geburt und des Todes in Menschenhand bleiben sollen. Auch diese Art von Gewaltenteilung ist wirklich interessant.

- Die menschlichen Folgen von Unsterblichkeit: Obwohl es die Scythes gibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man bis zu tausend Jahre alt wird. Der Tod ist für Menschen in dieser Welt also in weite Ferne gerückt. Was sind die Folgen, wenn man keine Angst mehr vor dem Tod hat? Laut Shusterman ist es eine Oberflächlichkeit der Menschen, die ohne Tiefgang in ihren langen Leben herumdümpeln - ohne wirkliche Ambitionen. Keiner braucht arbeiten, denn für Nahrung, etc. sorgt der Thunderhead. Armut, Kriminalität und alles andere, was uns heutzutage zu schaffen macht, sind von der Bildfläche verschwunden und was bleibt, ist eine gewisse Eintönigkeit. Bereits Kant schrieb, dass in einem Zustand des langen Friedens der Charakter von Nationen verkümmern würde (obwohl er auch ein Werk namens "Zum ewigen Frieden" schrieb, aber wir stecken schließlich alle voller Widersprüche).

Ich finde es durchaus nachvollziehbar, dass wir Menschen ohne Nöte und Sorgen irgendwann nicht mehr zu tiefgehenden Empfindungen fähig wären. Auf der anderen Seite sollten wir trotzdem nach Frieden streben und keinen Krieg anfangen, bloß damit uns Emotionen wie Angst und Terror und damit auch ein Streben nach einer besseren Welt oder einem besseren Leben erhalten bleiben.


- Die Moral des Tötens:  Nur wer kein Scythe sein möchte, ist würdig einer zu sein. Das ist die Philosophie von Rowans und Citras Mentor, dem Scythe Faraday. Schon wieder ein Widerspruch, aber ein durchaus bekannter. Bereits in Harry Potter heißt es, dass nur derjenige, der nicht nach Macht strebt, würdig ist, Macht zu tragen. Egal ob in der Politik, in der Lehre oder eben als Scythe; es ist ein ähnliches Prinzip. Große Macht heißt große Verantwortung. Speziell, wenn es um so etwas Schreckliches wie das Töten geht, sind moralische Prinzipien sehr wichtig. Das Thema steht in Shustermans Buch sehr im Vordergrund. Die verschiedenen Scythes, die wir im Verlauf kennenlernen, haben sehr unterschiedliche Herangehensweisen an das Töten und diese verraten viel über ihre moralischen Prinzipien. Ist es zum Beispiel gnädiger, die Menschen entscheiden zu lassen, wie sie sterben? Sollte man ihnen Zeit geben, sich von den Liebsten zu verabschieden? Oder ist ein unmittelbarer Tod der gnädigste?

Es sind Fragen, die auch für uns relevant sind, auch wenn wir nicht in dem Luxus (ist es Luxus?) leben, über unsere Todesart oder unseren Todeszeitpunkt zu bestimmen. Aber sicherlich fragt sich der ein oder andere, ob er lieber plötzlich sterben möchte (z.B. in einem Unfall) oder lieber Zeit hätte, sich zu verabschieden (z.B. bei einer unheilbaren Krankheit). Ich habe das Gefühl, dass wir bereits heutzutage das Thema Tod beiseite schieben, weil es ein durchaus unangenehmes zu sein scheint, dabei gehört es doch zum Leben dazu wie die Geburt. Ich frage mich manchmal, ob Anti-Falten Cremes und Botox deswegen so populär sind, weil wir durch ein jüngeres Aussehen das Alter und damit den Tod weit von uns schieben wollen.



Fazit: Ich könnte diesen Blogartikel noch locker verdoppeln, weil Shustermans Trilogie sehr viel Stoff für philosophische Diskussionen bietet, aber das hier genügt als ersten (und bereits sehr intensiven) Einblick. Ich kann die Scythe-Trilogie wirklich wärmstens empfehlen, wenn ihr auf der Suche nach einer guten Utopie/Dystopie seid (ob es eine Utopie oder Dystopie ist, lasse ich mal offen). Sie ist wirklich sehr tiefgehend und gleichzeitig spannend und actiongeladen. Wenn ihr die ersten beiden Bücher gelesen habt (das zweite Buch heißt "Thunderhead"), dann schreibt mir gerne bei Facebook, was euch am meisten interessiert und zum Nachdenken angeregt hat.

Sonntag, 11. Februar 2018

GeWissen

Gewissen: Das Bewusstsein von Gut und Böse des eigenen Handelns ...

Wir alle wissen, dass unsere Welt nicht so fortschrittlich, aufgeklärt und fair ist wie uns manche Politiker vorgaukeln möchten (dieses Wissen ist Voraussetzung für ein GeWissen). Die neu erstandene "Destroyed" Jeans  wurde irgendwo in Asien von einem Arbeiter hergestellt, der bei der Produktion schädliche Feinstaubpartikel eingeatmet hat  und für unseren coolen Style möglicherweise Krebs bekommt. Außerdem produzieren wir eine Menge Müll und leben in Ländern, die Krieg in anderen Ländern unterstützen. Es gibt noch immer offenen (und was ich fast noch schlimmer finde) "versteckten" Rassismus und Intoleranz, also kurzum: viele Probleme.

Wenn ich über die ganze Verschmutzung, Vermüllung und "Versklavung" nachdenke, bekomme ich manchmal schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich einen Supermarkt betrete. Man kann ja nicht einmal eine Packung Cornflakes kaufen ohne Müll zu produzieren.

Natürlich gibt es z.B Anhänger des "Zero Waste", die so gut wie keinen Müll produzieren, was ich sehr lobenswert finde. Es ist allerdings leider noch sehr mühsam, seinen Müll zu reduzieren. In meiner Stadt gibt es weder einen unverpackt Supermarkt noch eine Bio-Mülltonne und inzwischen werden sogar fast alle Gurken in Plastik eingeschweißt (unnötig, wirklich unnötig, liebe Lebensmittelfirmen!!!).

Das soll jetzt keine Entschuldigung oder Ausrede sein - ich gebe ehrlich zu, dass ich bei meinem Fußabdruck auf der Erde noch kein reines Gewissen habe und vermutlich nie eins haben werde. Ich denke, kein Mensch kann heutzutage sagen, dass er der Erde nichts Schlechtes antut. Ich finde es sehr wichtig, das hervorzuheben - selbst Minimalisten und Zero-Waste Vertreter sind nicht perfekt. Man sollte sich also immer bewusst sein, dass selbst "bessere" Alternativen nicht unbedingt perfekt sind. Hier ein Beispiel:

- Person A denkt sich, dass sie nur noch faire Bio-Kleidung kaufen möchte und bestellt diese bei einem Online-Store. Super, denkt sie sie sich. Keine Arbeiter ausgebeutet und die Umwelt wird auch nicht verschmutzt ... aber was ist mit den Transportwegen für ihre neue Bio-Jeans? Die wird möglicherweise per Flugzeug nach Deutschland eingeflogen und legt dann noch eine Strecke per LKW zurück ... nicht gerade gut für die Ozonschicht.

Ich möchte nicht allzu pessimistisch klingen. Es ist immer gut, wenn man nach Alternativen sucht, die die Umwelt weniger belasten oder faire Löhne unterstützen.

Aber erstens sollte man immer weiterdenken und sich kritisch hinterfragen. Zweitens braucht sich niemand die Illusion machen, seine Weste sei blütenrein. Sorry Leute, aber das stimmt einfach nicht.

Zurück zu meiner Cornflakespackung im Supermarkt. Auf der einen Seite denke ich, mein schlechtes Gewissen ist das Kreuz, was wir Menschen in unserem Zeitalter tragen müssen. Und es ist gut, sich dieser Probleme bewusst zu sein. Auf der anderen Seite möchte ich diesen Beitrag mit etwas Positivem beenden und auch selbst nicht ständig das belastende Gefühl herumtragen, dass, egal, was man tut, es ist eh alles falsch.

Kommen wir also zum Positiven. Ich nenne mein Konzept  dazu gerne "Babysteps". Wir können die Welt leider nicht von heute auf morgen komplett umkrempeln. Aber wir können mit kleinen Schritten anfangen, mit Babysteps. Manche sagen sicher, dass sie eine radikale Umstellung besser finden, also z.B. sofort ganz mit dem Rauchen aufzuhören, anstatt jeden Tag eine Zigarette weniger zu rauchen. Im Endeffekt muss es jeder für sich entscheiden, ob ein Riesenschritt oder viele kleine Babysteps besser zu ihm passen. Ich glaube, dass sich eine langsame Umstellung in vielen Fällen länger bewährt, also dass man es so eher zum Ziel schafft und dann auch bei seiner neuen Lebensweise bleibt. Das Prinzip Babysteps lässt sich übrigens auf alles übertragen, sei es eine Ernährungsumstellung oder das Reduzieren von Müll. Hier einige Beispiele von meinen Babysteps:

Klamotten: kaufe ich größtenteils gebraucht auf Flohmärkten oder in Second Hand Shops. Für mich bedeutet das, das ich diesen Wahnsinn von massenweise neu prodzierter Kleidung nicht unterstütze und das Geld, was ich in Second Hand Geschäften ausgebe, für einen guten Zweck verwendet wird. Ich bin mir bewusst, dass das Ganze nicht oder nur eine Zeit lang funktionieren würde, wenn alle Menschen nur noch gebrauchte Klamotten kaufen würden und dass auch mein Second-Hand H&M Shirt nicht fair produziert wurde.

Shampoo: Ich habe von LUSH Shampoo und Duschgel in "trockener" Form gekauft, das heißt, sie sehen aus wie ein normales Stück Seife. Beides benutze ich seit fast drei Monaten und habe erst die Hälfte aufgebraucht (obwohl ich immer viel Shampoo benutze) und somit habe ich meinen Verpackungsmüll ein bisschen reduziert.

Reisen: Puh, ja, schwieriges Thema. Eine Flugreise zu buchen macht mir wirklich ein schlechtes Gewissen, weil Flugzeuge wirklich viele Abgase verursachen. Trotzdem möchte ich die Welt gerne sehen und habe auch schon eine Flugreise gebucht für dieses Jahr. Aber in Europa kann man auch gut mit dem Zug reisen. Nach England fahre ich am liebsten und ausschließlich mit dem EuroStar. Das ist nicht nur "sauberer", sondern man kann auch unbegrenzt Gepäck mitnehmen und die Second-Hand Geschäfte in England sind so unfassbar toll, dass ich da immer zuschlage! Ich frage mich, ob man eigentlich auch Elektro-Flugzeuge bauen könnte ...mhm...


Mittwoch, 31. Januar 2018

Amerikanische Gefängnisse, Victoria's Secret und was das mit uns zu tun hat







Wenn ihr nicht zufällig Fans von "Orange is the new Black" seid, dann geht es euch vielleicht wie mir und ihr habt euch selten gefragt, was in Gefängnissen auf der anderen Seite der Welt so vor sich geht. Es ist ja auch so weit weg ...

Tatsächlich ist das Gefängnissystem ein heiß diskutiertes Thema in Amerika. Was ich hier in diesem Post berichte, ist nichts Neues, aber in Deutschland sind die Informationen vielleicht noch nicht so verbreitet, deswegen auch der Post. Ich möchte für eine größere "Sichtbarkeit" des Problems sorgen, das irgendwie auch unser Problem ist ...

Aber zunächst muss ich ein bisschen ausholen und euch mit "Geschichtsfakten langweilen", damit ihr die Ausmaße der ganzen Sache versteht. Sehr vereinfacht gesagt hat die Masseneinkerkerung in den USA (mass incarceration) ihren Ursprung in der Sklaverei.

Nachdem diese abgeschafft wurde, gab es 1. eine Masse an ehemaligen Sklaven (und man wusste nicht wohin mit ihnen) und 2. keine freie Arbeit mehr ("frei" hier im Sinne von kostenlos für die Arbeitgeber bzw. Sklavenhalter). Die Lösung war eine Gesetzeslücke, die besagte, das jeder frei war - außer Kriminelle. In der Zeit nach dem Civil War wurden Schwarze bereits für kleine Vergehen wie Landstreicherei bestraft und mussten im Gefängnis - Überraschung - wieder ohne Bezahlung arbeiten. Mhm, da fragt man sich, inwieweit sich ihre Lebensumstände verbessert haben.

Weiter geht es mit der Unterdrückung: Schwarze Männer wurden mithilfe der Medien als Vergewaltiger und beinahe tierische Bestien dargestellt, woraufhin das Lynchen sehr populär wurde. Ein Schwarzer brauchte einem weißen Mädchen bloß hinterherzuschauen und zu pfeifen und schon konnte sich ein Mob versammeln, der den Mann am Baum aufknüpfte, während die Schaulustigen mit ihren Picknickkörben dabeisaßen und zuschauten. Ekelhaft! ...Aber auch das liegt ja weit in der Vergangenheit, nicht?

Dann folgte die Rassentrennung. Es gab in Bussen Sitzplätze für Weiße und welche für Schwarze, Ärzte für Weiße und ein paar wenige für Schwarze - in anderen Worten, es wurde ein Klassensystem eingerichtet, in dem die schwarze Bevölkerung eindeutig die untere oder zweite Klasse war.

So langsam nähern wir uns der Gegenwart. Politiker gewannen Wahlen, indem sie zunächst Angst in der Bevölkerung vor Verbrechen schürten und dann harte Strafen und einen Krieg gegen Drogen und Kriminalität versprachen. Ausdrücke wie "War on Drugs" waren hierbei Codewörter, denn eigentlich ging es um die Verfolgung der schwarzen und der Latino Bevölkerung, die vorangig im Visier der Polizei stand und härtere Strafen als die weiße Bevölkerung bekam. Politiker pumpten Steuergelder in die Exekutive, ließen Gefängnisse bauen und mehr Polizisten einsetzen, sodass die Masseneinbuchtung entstand.

Heute sitzt jeder vierte Gefängnisinsasse der Welt in einem amerikanischen Gefängnis!

Es gibt in den USA private Gefängnisunternehmen, deren Profit darauf aufbaut, dass Leute verurteilt werden. Diese Unternehmen waren in einer Organisation namens ALEC, die aus Unternehmen und Politikern bestand und Gesetze nicht nur entwarf sondern auch durchsetzte. Im Klartext heißt das, dass Gesetze von privaten Firmen geschrieben wurden! Gefängnisfirmen haben natürlich Gesetze entworfen, die für härtere und längere Strafen sorgten, damit ihre Gefängnisse stetig neues "Futter" bekamen. Das heißt, Menschen wurden für kleine Delikte sehr lange weggesperrt damit diese Unternehmen einen Haufen Geld verdienen konnten. Schockierend oder? Und das ist der Stand von vor ein paar Jahren.

Hinzu kommen die Gewalttaten, die in den Gefängnissen verübt werden - Schlägereien und Vergewaltigungen, sowohl von Insassen gegen Insassen, als auch von Aufsehern gegen Insassen.

Hinzu kommen die Unschuldigen, die im Gefängnis sitzen, weil sie aus Angst vor einer langen Strafe einen sogenannten "Plea Bargain" eingegangen sind; sprich, sie haben sich für schuldig erklärt, bevor es zum Gerichtsverfahren kam aus Angst vor einer längeren Strafe.

Hinzu kommen die armen Menschen, die nur deswegen im Gefängnis sitzen, weil sie sich die Kaution nicht leisten können.

Wenn die Insassen ihre Strafe abgesessen haben, könnte man meinen, dass sie als freie Bürger wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden, aber dem ist nicht so. Je nach Staat haben sie kein Anrecht auf Essensmarken, werden bei Jobs benachteiligt und dürfen nicht wählen. Das heißt, obwohl sie "Buße getan haben", werden sie lebenslang von der Gesellschaft ausgestoßen.

So, das war jetzt ein kurzer und bei weitem nicht vollständiger Umriss der Geschichte der Masseneinkerkerung in den USA. Kommen wir also endlich zu Victoria's Secret. Wie oben bereits erwähnt, mussten die Insassen in Gefängnissen bereits in der Zeit nach dem Civil War umsonst arbeiten. Das ist auch heute so. Bis es öffentlich wurde, gab es viele namenhafte Hersteller, darunter auch Victoria's Secret, die ihre Mode in Gefängnissen herstellen ließen. Nachdem dieses nicht ganz so süße Geheimnis an die Öffentlichkeit kam, wechselte Victoria's Secret natürlich ihre Lieferanten. Im Klartext heißt das, ein BH, der vielleicht in eurem Kleiderschrank hängt, ist möglicherweise von einem amerikanischen Gefängnisinassen hergestellt worden, der eventuell unschuldig ist und dessen Leben trotzdem ruiniert sein mag.

Kommen wir zur letzten Frage. Was hat das bitte schön mit uns zu tun?
 
Die USA und ihre Verrücktheiten ... seit Trump kann uns doch eigentlich nichts mehr überraschen oder schockieren, stimmt's? Und überhaupt geht es uns doch nichts an! Mhm, wäre da nicht die Globalisierung und das ein oder andere Victoria's Secret Teil in deutschen Kleiderschränken ... Wäre da nicht eine Angela Merkel, die neben Barack Obama steht, als der zur Todesstrafe interviewt wird.

Und wenn euch das nicht überzeugt, dann vielleicht folgendes: Wann werden die Leute verstehen, dass, wenn ein schwarzes Leben zählt (BlackLivesMatter), dass dann jedes Leben zählt? Es geht nicht nur um "Schwarze" oder "Gefängnisinsassen", es geht darum, wie wir die Würde des Menschen definieren.
(übersetztes und leicht abgewandeltes Zitat aus dem Film "13th".)

Dieser Blogbeitrag basiert auf dem Film "13th" von Ava DuVernay. Ein sehr empfehlenswerter Film über das System, das hinter amerikanischen Gefängnissen steckt und über die Geschichte der Schwarzen in Amerika. Verfügbar bei Netflix.

Weitere Buch- und Filmempfehlungen:

Bryan Stevenson: Ohne Gnade ("Just Mercy: A Story of Justice and Redemption") - Stevenson ist ein Anwalt, der unter anderem zum Tode verurteilte Gefängnisinsassen vertritt und gegen die Masseneinkerkerung und andere Ungerechigkeiten des Systems kämpft.

Interview zwischen Oprah und Ava DuVernay: Wie "13th" auch auf Netflix zu finden. In dem Interview wird u.a. die Frage gestellt, wie wird sich Amerika unter Trump entwickeln und gibt es noch Hoffnung.

Last Week Tonight mit John Oliver: Auf Youtube gibt es zahlreiche Sendungen und John Oliver behandelt u.a. die Themen "Mass Incarceration", die Todesstrafe und schafft es diese ernsten Themen gleichzeitig lustig und ernsthaft herüber zu bringen (sehr empfehlenswert auch das Video zur Flüchtlingssituation in Europa - einfach mal "Refugees John Oliver" bei Youtube eingeben.)


Am Ende dieses Blogbeitrags möchte ich noch einmal betonen, dass er keineswegs vollständig ist und dieser kurze Abriss der Geschichte beinahe schon moralisch verwerflich ist, eben weil er das Thema so unvollständig anreißt. Eine vollständigere Fassung liefert "13th". Ich wollte mit dem Blogbeitrag einen ersten Gedankenanstoß liefern und auf das Problem aufmerksam machen. Es mag sich um ein amerikanisches Problem handeln, aber in Zeiten der Globalisierung ist es auch unser Problem. Wir als Menschen sollten uns Gedanken darüber machen, wie unsere Welt aussieht und wie wir unsere Mitmenschen behandeln. Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass wir in "aufgeklärten" Zeiten leben, in denen Rassentrennung oder Rassismus allgemein keine Gefahr mehr darstellt.



 


Dienstag, 3. Oktober 2017

Shoppen und Schokolade ...


...von beidem wird man nicht satt

Berge an Tüten, Tücher, Schuhe und Schmuck vom Shoppingtrip
Machen wir eine kleine Fantasiereise in die Vergangenheit. Stellen wir uns vor, wir sind wieder ein Kind, das mit großen Augen vor dem geschmückten Weihnachtsbaum sitzt und ein Geschenk auspackt. Es kommt eine sprechende Puppe zum Vorschein, die uns mit blechernder Stimme begrüßt. "Ha-llo, ich bin An-na-bel." Wir freuen uns zunächst über die edle Puppe mit den feinen goldenen Locken, aber dann sagt die Puppe "Mir ist lang-weilig. Ich will neue Sachen!" Wir öffnen das nächste Paket unterm Baum und hervor kommt ein neues Kleid für die Puppe. Die anderen Pakete enthalten das "Rocker" Outfit, das "Hippie" Outfit, das "Disco" Outfit, etc. Wir spielen eine Zeit lang mit der Puppe und all ihren Anziehsachen, aber das wird schnell langweilig. Die Lösung? Puppe Anton mit der Lederjacke, dem Anzug, dem Hawaiihemd und vielen weiteren Anziehsachen. Und wenn Anton auch langweilig wird, gibt es ja noch Annabels Freundin Louisa ...

Die Geschichte ist mit einigen Veränderungen aus Michael Endes "Momo" übernommen. Die grauen Herren versuchen das Mädchen mit der Puppe zu ködern, aber sie sagt: "Ich glaub, man kann sie (die Puppe) nicht liebhaben." Momo würde ihre Freunde nie gegen eine leblose Puppe tauschen, die mit blechernder Stimme immer mehr Spielsachen verlangt. In dem Punkt ist sie vielen Erwachsenen um einiges vorraus. Viele von uns gehen regelmäßig shoppen, vielleicht, um irgendein Loch in unserem Inneren zu stopfen. Wenn wir ehrlich zu uns sind, merken wir, dass wir das Loch weder mit dem kleinen Schwarzen noch mit der neuesten It-Bag füllen können. Shoppen ist wie Schokolade - Ein kurzes Glückshoch - aber satt wird man davon nicht.

In der heutigen Zeit scheint das Motto der Welt "Mehr, mehr, mehr" geworden zu sein. Mehr Wirtschaftswachstum, mehr Erträge  -  alles muss höher, weiter und schneller hinausschießen. Kein Wunder also, dass wir Opfer der Werbung werden, die uns verspricht, mit Teil XY ein "ganz anderer Mensch" oder "viel glücklicher" zu werden. Die ganze Gesellschaft denkt und funktioniert ja so.  Allein 40-70 Kleidungsstücke kauft jeder von uns Deutschen pro Jahr. Das muss man sich mal vorstellen! Minimalistische Menschen haben gerade mal 40 Sachen in ihrem Kleiderschrank und zwar für alle vier Jahreszeiten. Ich habe einmal nachgezählt und ich besitze allein 29 Ketten. Dabei trage ich nicht mal täglich Schmuck. Was die Minimalisten da draußen bewegt, weniger zu besitzen sind 2 Hauptgründe:

1: Das Gefühl im eigenen Konsum zu ersticken. Minimalismus soll dabei helfen, wieder glücklicher, befreit und kreativer zu sein, da man zu Hause nicht von dem ganzen Besitz erschlagen wird. Wenn man sich von dem befreit, was für einen selbst nutzlos ist, dann kann man sich besser auf das Wichtige im Leben konzentrieren.

2: Umweltbewusstsein. Minimalisten denken genau darüber nach, was sie sich kaufen und die meisten kaufen ihre Klamotten, Bücher, etc. gebraucht oder fair ein. Eigentlich wissen wir es alle: Jede Jeans, die wir kaufen, sei es eine Discounter Jeans oder eine teure Markenjeans, wird in Billiglohnländern produziert. Die Leute dort bekommen nur einen winzigen Bruchteil der 20-100 Euro, die wir im Laden ausgeben. Wenn die Jeans im "Used" oder "Destroyed" Look daher kommt, dann auf Kosten der Gesundheit der Arbeiter, die den Feinstaub des Sandes einatmen, der zum "Destroyen" benutzt wird. Hinzu kommen die beim Anbau von Baumwolle verwendeten Chemikalien, die im Grundwasser landen und dort ihren Schaden anrichten, der lange Transportweg der Kleidung und der große Müll aus Altkleidern, da wir ja oft Sachen entsorgen, um wieder Platz im Kleiderschrank zu schaffen.

Wenn man das so betrachtet, dann wirkt unser Konsum wie ein Kapitalverbrechen an der Welt. Nun bin ich weder Minimalistin noch Moralpredigerin, sondern gehe genau so gern shoppen wie andere Leute auch. Ich gebe offen zu, dass ich viel zu viel besitze (wie gesagt, 29 Ketten!). Aber ich will nicht bis zum neuen Jahr mit meinem Vorsatz warten, weniger zu kaufen. Wenn es euch auch so geht, dann habe ich hier ein paar Tipps, wie ihr euren Konsum einschränken könnt.

Sachen länger tragen: Seht es als Challenge oder Experiment, einmal ein paar Schuhe oder eine Lieblingsjeans so lange zu tragen, bis sie wirklich kaputt geht und dann erst einen Ersatz zu kaufen. Wie lange hat es gedauert? Ein Jahr? Zwei? Nur ein paar Monate

Gebraucht kaufen: Ich kaufe meine Kleidung gerne auf dem Flohmarkt oder in Second Hand Geschäften. Wer mal nach England reist, dem empfehle ich, durch die örtlichen Charity Shops zu stöbern. Die haben weitaus coolere Sachen als der Primark und man unterstützt beim Kauf auch noch einen guten Zweck. Oxfam ist z.B. eine Kette, die es auch in vielen Großstädten hierzulande gibt.

Weniger kaufen: Überleg dir vor jedem Kauf, ob du das Teil wirklich brauchst und wie lange du es tragen wirst. Eine Saison? Maximal ein Jahr? Oder hat das Kleidungsstück Potenzial, dein neues Lieblingsteil zu werden? Im Zweifel einfach zurücklegen lassen und eine Nacht drüber schlafen. Wenn du es am nächsten Morgen vergessen hast, dann brauchst du es auch nicht.

E-Books: Inzwischen kaufe ich 90 % meiner Bücher gebraucht oder als E-Book. Das spart Papier und rettet den Regenwald ;-) Alternativ kannst du dir auch einen Bibliotheks- oder Büchereiausweis besorgen. Unter 18 ist der in den meisten Büchereien sogar kostenlos.

Fair kaufen: Armedangels, Greenality, Grüne Erde und viele weitere Onlineshops bieten recycelte oder nachhaltig angebaute Kleidung, die fair gehandelt wurde.

Spenden oder auf dem Flohmarkt verkaufen: Beim Aussortieren solltest du dir überlegen, was du mit den zu alten Klamotten machst. Du kannst sie z.B. an eine Wohltätigkeitsorganisation wie Oxfam spenden oder auf dem Flohmarkt verkaufen.


Montag, 25. September 2017

MOMO - Was wir aus Kinderbüchern lernen können

Bildquelle: Amazon



Jeder von uns hat schon was von Pippi Langstrumpf mit den roten Haaren oder von Enid Blytons Fünf Freunden gehört, selbst wenn wir die Bücher als Kinder nicht gelesen haben. Vielen ist aber vielleicht gar nicht bewusst, was für Botschaften in diesen Kinderbüchern stecken. Ich fange heute mal mit dem (wie ich finde) krassesten Beispiel für Weisheit und Moral in Kinderbüchern an: Michael Endes Momo. 

Kurz vorweg zusammengefasst: Momo lehrt uns, warum das Zuhören und die Achtsamkeit gegenüber anderen wichtig ist, wie kostbar jede Stunde Zeit ist und dass wir uns ein Beispiel an Kindern nehmen können, die mit staunenden Augen durch die Welt gehen.


Inhalt:

Wer das Buch nicht kennt oder sich nicht erinnert, hier noch einmal die wichtigsten Punkte: Momo ist ein Mädchen, vermutlich eine Waise, das in eine Ruine eines Amphitheaters zieht. Sie wird von den Menschen der Umgebung in die Gemeinschaft aufgenommen und findet in dem Straßenkehrer Beppo und in Fremdenführer Gigi zwei beste Freunde. Auch die anderen Menschen kommen Momo gerne besuchen, denn das Mädchen kann gut zuhören und hat eine lebhafte Fantasie, mit der sie die anderen Kinder mitreißt.

Auftritt graue Herren. Diese finsteren Gestalten machen sich nach und nach in der Stadt breit, verpesten die Luft mit ihren Zigarren und bringen ihre Zeitsparkonten an den Mann. Sie führen den Leuten vor Augen, wie viel Zeit sie angeblich mit sinnlosen Sachen verschwenden und dass sie diese Zeit doch besser in ein Konto bei den grauen Herren einzahlen können. Nach ihrem Besuch vergessen die Menschen die grauen Herren allerdings wieder. Mit der Zeit werden die Leute hastiger, stumpfer und unfreundlicher. Auch Momo wurde von den grauen Herren besucht, aber sie hatte kein Interesse an deren fantasielosem Spielzeug. Allerdings leidet auch sie unter der Anwesenheit der grauen Herren. Mit perfiden Mitteln schaffen es die Bösewichte Momo komplett von ihren Freunden zu isolieren. 

Zum Glück naht die Rettung in Form einer Schildkröte, die auf ihrem Rücken Wörter schreiben kann und die direkt bevorstehende Zukunft sieht. Sie führt Momo zu Meister Hora. Auf dem Weg werden sie von den grauen Herren verfolgt, aber dank Kassiopeia (die Schildkröte) entkommen sie ihnen. Meister Hora erklärt Momo,  dass jeder Mensch für jede Stunde Lebenszeit eine neue Stunden-Blume erhält. Die grauen Herren stehlen diese Blumen und rollen sich aus den Blütenblättern ihre Zigarren. Ohne die Zigarren können die grauen Herren nicht überleben.  Meister Hora sieht nur einen Weg, die grauen Herren zu stoppen. Er hält die Zeit an, damit die grauen Herren sie nicht weiterhin stehlen können. Momo bekommt nun ihre Stundenblume von Meister Hora, um sich in der still gehaltenen Zeit bewegen zu können. Sie hat also genau eine Stunde um die unterirdische Bank der grauen Herren zu finden, die dort eingefrorenen Stundenblätter zu befreien und die Menschen vor der Krankheit, die die grauen Herren verbreiten (die tödliche Langeweile), zu retten. Das gelingt ihr natürlich. Die grauen Herren verschwinden und die Menschen sind wieder ganz die Alten.

Die Symbolik:

Die grauen Herren: Sie stehen für unsere Hektik, für jeden Moment, in dem wir keine Zeit haben, einem Mitmenschen ein freundliches Lächeln zu schenken. Ich habe das Gefühl, die grauen Herren sind in unserer heutigen Zeit allgegenwärtig. Wie oft nehmen wir uns noch die Zeit, die bunten Blumen am Straßenrand zu bewundern oder in den Wolken nach Tierformen zu schauen? Wenn Michael Ende Momo in der heutigen Zeit geschrieben hätte, dann wären die Zigarren der grauen Herren vermutlich piepende, eckige Geräte, auf denen man mit den Fingern herumwischt. Manchmal scheint es so, als ob wir lieber Instagram Fotos von schönen Seen und Bergen anschauen als im Park um die Ecke die grünen Bäume zu bewundern. Wir sitzen zusammen an einem Tisch und unterhalten uns per WhatsApp statt in echt. Wir "liken" am Tag zehn bis zwanzig Bilder, aber wie viele Komplimente sprechen wir tatsächlich aus? Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich hier nicht den Moralapostel spielen will. Auch ich "like" Videos bei facebook und verbringe viel Zeit vor dem PC. Und sicherlich ist die Welt nicht so schwarz (oder grau), wie ich sie hier male. Ich möchte bloß nicht, dass sie einmal so wird.

Momo und das Zuhören: Am Anfang des Buches wird Momo von den besorgten Menschen ausgefragt weil sie  a) ein kleines Kind ist, das b) allein in einer Ruine wohnt. Momo sagt selbst, sie glaubt, dass sie schon immer da gewesen ist und nennt als Alter zögernd die Zahl "Hundert".  Wenn man das Buch als Kind liest, denkt man, dass Momo einfach keine Zahlen kennt und nicht weiß, was die Erwachsenen von ihr wollen. Als Erwachsene denke ich, dass es noch eine tiefere Ebene gibt, in der Momo, wie auch die grauen Herren, nicht wirklich existiert (also auch nicht innerhalb der fiktiven Welt). Sie steht allegorisch für das Kindliche, Fantasievolle und die Hoffung in uns allen. 

Was ich am Charakter Momo herausstellen möchte, ist eine ihrer Eigenschaften: das Zuhören!

Der Erzähler selbst schreibt, dass nun mancher Leser sagen wird: Zuhören ist doch nichts besonderes. Das kann doch jeder! Aber wirklich zuhören, das ist eine Kunst, die in Wahrheit nur wenige von uns beherrschen. Momo hört mit Anteilnahme und voller Aufmerksamkeit zu. Sie schaut die Redner mit ihren großen Kinderaugen an und schwupps, schon kommen selbst dummen Leuten schlaue Gedanken. Schüchterne Leute fühlen sich auf einmal mutig und ratlose Leute fassen einen Entschluss, nachdem sie sich bei Momo ausgesprochen haben. 

Zuhören zu können ist eine Eigenschaft, die einen charismatischen Menschen ausmacht, habe ich mal gelesen. Durch Zuhören wirkt man sympathisch. Diese Weisheit, die in vielen Selbsthilfebüchern oder Youtube Kanälen preis gegeben wird, findet sich bereits im Kinderbuch von Michael Ende. Ich empfehle jedem, der jetzt genauer wissen will, was, warum und wie Zuhören wichtig ist, den Anfang von Momo einmal zu lesen. Das Zuhören wird gleich im 2. Kapitel auf eine sehr lebendige und gut verständliche Art und Weise thematisiert.  

Die Stundenblumen: Was für eine Symbolik! Jeder Mensch erhält jede Stunde von Neuem eine kostbare Blume einfach so geschenkt. Eine Stunde Zeit. Nun liegt es an uns, dieses Geschenk zu nutzen. Schätzen wir die Blume wert wie Momo? Sie verschenkt ihre Zeit großzügig, indem die anderen Menschen zuhört und trotz dieses "Verschenkens" ist sie am Reichsten, was die Zeit angeht. Oder versuchen wir die Zeit zu sparen, indem wir unsere Tage mit Terminen vollkleistern? Die Menschen im Buch merken schnell, dass die eingesparte Zeit am Ende des Tages verschwunden ist. Sie denken, die Zeit sei auf ihrem Zeitsparkonto gelandet und würde am Ende ihres Lebens ausgezahlt werden, aber in Wahrheit wird sie von den grauen Herren verraucht.  So ist es auch bei uns. Eingesparte Zeit landet nicht auf einem mysteriösen Konto und wird nicht am Ende des Lebens mit Zinsen ausgezahlt. Deswegen sind wir dafür verantwortlich, in uns zu gehen und aktiv eine Entscheidung zu treffen, was wir mit unseren Stundenblumen machen wollen. 

Warum Kinderbücher?

Ist es nicht verrückt, dass in einem Buch ab 12 Jahren mehr Weisheit steckt als in so manchem Selbsthilfebuch? Und dass ein Buch von 1972 so aktuell ist (wie gesagt, ersetzt man die Zigarren durch Smart Phones hat man ein erschreckend reales Bild des Gesellschaft)? Ich denke oft, dass wir viel von Kindern lernen können. Wie sie mit staunenden Augen durch die Welt gehen, philosophische Fragen stellen und wie sie mit nichts weiter als einem Ball oder einer leeren Plastikdose stundenlang spielen können. Deswegen meine Ermunterung an euch: Lasst euch von Kindern inspirieren. Geht einmal staunend durch die Welt wie sie. Schreibt einmal Kinderfragen auf, wie Warum schrumpeln die Hände beim Baden? oder Warum gibt es braune und weiße Eier? (hat was mit den Ohrläppchen der Hühner zu tun). Geht auf eine Fantasiereise in ein fernes Land, wo es vielleicht auch Schildkröten gibt, die die Zukunft sehen. Und stellt das Smartphone einmal für ein paar Stunden aus und spielt stattdessen mit etwas Simplem wie mit einem Ball. Oder baut eine Burg aus leeren Klopapierrollen. Werdet kreativ ;-) 


Freitag, 30. Dezember 2016

Vorsätze 2017


Ein Tag vor Silvester und noch keine guten Vorsätze für 2017 gefasst? Dann findest du vielleicht Inspirationen in meinen Listen. Ich habe unten typische Vorsätze, lustige und ausgefallene Vorsätze und meine Vorsätze aufgelistet. Außerdem gibt es noch ein paar Gedanken dazu, ob Vorsätze überhaupt sinnvoll sind.


Typische Vorsätze 2017:


  •  Weniger Alkohol und Aufhören zu Rauchen. Die meisten Deutschen wollen mit schlechten Angewohnheiten aufhören oder sie zumindest herunterschrauben. Dabei muss es nicht unbedingt Alkohol oder Nikotin sein. Andere schlechte Angewohnheiten können übermäßiger Süßigkeiten- oder Chipskonsum sein, dass man zu viel shoppt oder zu viele Serien bei Netflix streamt. Die Liste ist lang ...
  • Mehr Zeit mit Freunden und der Familie.  Das bedeutet, sich trotz der Arbeit, Uni oder Schule genug Zeit für die Familie zu nehmen. Meine Tipps: Altmodische Kommunikationswege wie das Telefon benutzen oder mal wieder einen Brief schreiben statt einer kurzen WhatsApp Nachricht. Und natürlich auch persönlich vorbeikommen, statt nur zu skypen.
  • Gesünder ernähren. Wie wäre es, in den 12 Monaten 12 verschiedene Ernährungsansätze auszuprobieren. Das ist die Challenge für dich selbst und vielleicht findest du damit DIE Ernährungsweise für dich. Verschiedene Ernährungspläne sind z.B.: vegetarisch, vegan, Steinzeitdiät bzw. Paleo, low carb und no carb.  
  • Abnehmen und Sport treiben. Zum Abnehmen gehört beides: Sport und Ernährung. Ähnlich wie bei der Ernährung kannst du auch beim Sport für ein Jahr lang jeden Monat eine neue Sportart ausprobieren. So findest du am Ende die Sportart, die am besten zu dir passt. Das Ganze muss nicht teuer sein. Vielleicht gibt es ja für einen Monat einen Schnupperpreis bei deinem Fitnessstudio. Oder du kannst bei youtube verschiedene Übungen googeln. Wichtig ist es, dass du in verschiedene Bereiche reinguckst und nicht nur 12 Ausdauersportarten ausprobierst um schließlich festzustellen, dass Ausdauersport nichts für dich ist. Hier eine Auswahl an Sportbereichen mit Beispiel: Tanzsport (Jazzdance), Kampfsport (Karate), Mannschaftssport/Ballsport (Handball), Kraftsport (z.B. im Fitnessstudio) und Ausdauersport (Joggen).  

Lustige und ausgefallene Vorsätze 2017:

  • einen Baum pflanzen
  • in ein Land reisen, wo du noch nie warst
  • einen Tag das Smartphone ausschalten
  • Nutella ohne Brot essen
  • einmal pro Woche bis 12 Uhr Mittags ausschlafen
  • nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren sondern mit dem Wagen
  • die guten Vorsätze wieder mal nicht durchzuhalten
  • sich gar nicht erst gute Vorsätze zu machen und ...
  • ...zu bleiben wie man ist 
Vorsätze...braucht man sie überhaupt? Vor allem, wenn man sie eh nicht durchhält? Das habe ich mich dieses Jahr gefragt. Ich habe mir trotzdem Vorsätze aufgeschrieben, weil ich denke, zum Leben gehören Veränderungen und dazu dienen Vorsätze ja... Außerdem macht es mir einfach Spaß, Listen zu schreiben.

Meine Vorsätze für 2017

  • keine Süßigkeiten mehr essen. Dazu gehören auch Softdrinks, Knabbereien wie Chips und süße Brotaufstriche wie Nutella. Statt Süßigkeiten werde ich Obst, selbstgemachte Smoothies und frisch gepresste Obstsäfte essen/trinken. 
  • nur 50 Euro pro Monat für Kleidung, Bücher und Kosmetik ausgeben ... und so viel wie möglich davon Second Hand kaufen ... und meine Ausgaben pro Monat notieren.
  • jeden Tag ein Stück an meinem Selbstbewusstsein arbeiten.
Ihr seht, ich habe nur wenige Vorsätze, weil ich denke, bei 20 Vorsätzen würde ich den Überblick verlieren. Die Vorsätze, die ich habe, sind konkret genug, um zu überprüfen, ob ich sie wirklich durchhalte. Sie sind auch genau, damit ich mich selbst nicht beschummeln kann. Der Vorsatz mit den Süßigkeiten ist außerdem eine große Veränderung zu meinem bisherigen Leben, da ich eine riesige Naschkatze bin (vor allem, was Schokolade betrifft). Ich bin selbst gespannt, ob ich die Vorsätze durchhalte. 

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